LITERARISCH SOLIDARISCH

Shownotes

Hatice Açıkgöz hat eine Anthologie herausgegeben! Literarisch, Solidarisch – Perspektiven auf einen neuen Literaturbetrieb (Verbrecher Verlag, 2026) vereint achtzehn Stimmen, die Aspekte der aktuellen Literaturlandschaft beleuchten und versuchen, einen solidarischen Literaturbetrieb zu imaginieren. Texte der Beitragenden handeln u.A. von neuen Möglichkeiten, Juryarbeit solidarisch auszuüben, Literaturveranstaltungen für alle Involvierten solidarischer anzugehen oder unter neuen Perspektiven zu bloggen. Auch Probleme der Autorinnen werden behandelt, z.B. Sexismus, mentale Gesundheit oder Rassismus. Die Beitragenden haben dazu ganz verschiedene Formen für die Texte gewählt: Es gibt lyrische Positionen, Theatertexte und klassische Essays. Das Ziel von ‚literarisch, solidarisch‘ ist es, den Status quo herauszufordern und konkrete Schritte für einen solidarischeren Literaturbetrieb zu fördern. In der Live-Podcastfolge auf der Buchmesse stellen wir die Anthologie vor und sprechen mit Autorinnen über ihre Essays.


Verlage gegen Rechts

"Kluft und Liebe" von Josephine Apraku

Sarah Bergers Webseite

Anthologie LITERARISCH SOLIDARISCH


Redaktion: Dara Brexendorf, Zara Zerbe Schnitt: Zara Zerbe Mix: Chris Wacker

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Hatice: Literarisch solidarisch – ein Podcast-Experiment Hallo, danke für alle, die noch hier sind. Also gerade war es ja viel voller, aber wir verstehen schon, Romance ist cooler als Solidarität. Genau, wir sind heute hier mit dem Podcast Literarisch Solidarisch und wir stellen heute die Anthologie vor, die dazu raus erschienen ist, im Verbrecher Verlag, heißt auch einfach Literarisch Solidarisch.

Und ich bin heute die Einzige aus dem Podcast, weil Zahra Zerbe Nicht auf der Messe ist. Und Dara Brexendorf hat gerade gleichzeitig eine Lesung aus ihrem Debütroman Paradise Beach. Aber ich bin ja nicht alleine. Ich habe hier Josephine: Abpacu, die einen super tollen Text geschrieben hat über Care-Arbeit. Und Sarah Berger, die einen super tollen Text geschrieben hat über Antisemitismus. Daraus hören wir gleich noch was. Ja, und bevor wir anfangen erzähle ich vielleicht ein bisschen was über... Den Podcast und dieser Anthologie. Der Podcast beschäftigt sich mit Solidarität im Literaturbetrieb, also wir sprechen über so Tabuthemen, zum Beispiel Sexismus, Mental Health oder Geld oder Neid. Darüber werden wir auch gleich ein bisschen sprechen. Und genau, die Anthologie ist eben so eine Erweiterung davon und vor allem wollten wir auch nicht die ganzen Erkenntnisse aus dem Podcast so verpuffen lassen im Internet. Das ist ja oft wie, als würde man Sachen in so ein schwarzes Loch werfen und dann sind sie weg für immer.

Deshalb hat man dann sowas Handfestes was man auch den ganzen GatekeeperInnen geben kann. Genau, und wir hören ein bisschen was aus den beiden Texten und: dann sprechen wir ein bisschen über die Entstehung und über die Form und über Verlust von Sprache oder Text. Genau, also fangen wir am besten einfach einmal an. Ich stelle euch einmal ganz kurz vor, falls ihr die beiden tollen AutorInnen nicht kennt. Josephine Abracu. Ist Autorin Autorin und letztes Buch ist Kluft und Liebe von Eden Books. Habt ihr bestimmt, kennt ihr bestimmt, ist richtig gut. Und Josephine macht so eine rassismuskritische Bildungsarbeit und hat in vielen anderen Anthologien und in anderen Zeitschriften veröffentlicht, zum Beispiel Vogue Germany oder dem Missing Magazin.

Und Josephine hat auch einen richtig tollen Podcast zusammen mit Mareike Kaiser, die ja auch einen Text hat und der heißt Revolution und Ferien. Auf jeden Fall eine richtige Empfehlung von mir.: Der macht richtig Spaß. Also ihr sprecht da... Irgendwie so locker über alles, aber auch so sehr deep, finde ich. Und Sarah Berger. Bei Sarah weiß ich gar nicht, was ich alles sagen soll, weil es ist so alles so ein bisschen krass intimidating. Weil das ist so, du bist so Schriftstellerin, Fotografin, Performance-Künstlerin und machst super viel interdisziplinäre Arbeit. Das ist ja auch der Text am Ende in dieser Anthologie geworden. Und das letzte Anthologie, in der du warst war im Tropenverlag die Brüste-Anthologie. Und zwischen Oktober 24 und 26 wurden Auszüge aus deinen Fotografien, die hießt Holes, im Rahmen der Ausstellung Apropos Sex im Museum für Kommunikation Frankfurt am Main und Berlin gezeigt. Ja, und dann fangen wir direkt einmal an mit Ausschnitten. Susi möchtest du einmal anfangen, ein bisschen was vorzulesen?

Josephine Ja, gerne.: Mein Text heißt, in Anlehnung an 50 Cent, Write or Die Trying. Ich widme diesen Text Charles vom Fundbüro der Air France am Flughafen Charles de Gaulle in Paris. Er hat mir meinen verlorenen Laptop zurückgegeben, auf dem sich die Hälfte dieses Textes befand, den ich nirgendwo anders gespeichert hatte. Ich weiß, das war nachlässig Hätte ich meinen Laptop nicht zurückbekommen, gäbe es diesen Text nicht, denn ich hätte keine Zeit gehabt, ihn neu zu schreiben. Danke, Charles. Ich sitze mit Schal und Kapuzenpulli im Bett und überlege, ob ich das Antibiotikum, das mir der Hals-Nasen-Ohren-Arzt verschrieben hat, heute oder erst morgen einnehmen soll.

Seine Untersuchung und unser Gespräch darüber an diesem Morgen waren kurz. Er. Sie haben eine Mandelentzündung. Sieht noch nicht so schlimm aus. Können Sie es ohne Antibiotikum versuchen oder müssen Sie fit sein? Ich. Ich bin selbstständig und habe ein Kind. Ich muss: immer fit sein. Ich beschließe, das Antibiotikum erst am nächsten Morgen einzunehmen und auch nur dann, wenn es mir schlechter geht. Am nächsten Morgen fühle ich mich töricht, weil es mir schlechter geht. Und wenn ich gestern die erste von 20 Tabletten genommen hätte, hätte ich jetzt einen Heilvorsprung von 24 Stunden. 24 Stunden sind ein ganzer Tag und ein ganzer Tag ist eine Menge Zeit, zumindest für mich. Und Zeit ist Geld oder in diesem Fall zusammenhängende Worte auf Papier. Während ich mir die erste Tablette in den Mund schiebe, denke ich über meine To-Do-Liste nach. Wie bei einem Tetris-Spiel im schnellsten Modus fallen auf diese immer neue Aufgaben irgendwo herunter, die ich erledigen muss. Wie bei einem Tetris-Spiel im schnellsten Modus erzeugt das Druck in meinem Gehirn, so dass es mir leichter eigentlich richtig erscheint die verdammten Steine einfach fallen zu lassen.

Als Elternteil hat dieses Spiel eine: zusätzliche Tücke. Alles ist so minutiös so genau geplant, dass der kleinste Fehler die ohnehin fragile Planung zunichte macht. Oder? Gehe nicht über Los, ziehe keine 4000 Mark ein. Mit Fehler meine ich Dinge, die im Alltag von Menschen mit Körpern einfach passieren, zum Beispiel krank werden, erschöpft sein, nicht funktionieren so wie ich jetzt in meinem rosa-rot karierten Schlafanzug. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum mir dieser Text, für den ich monatelang hier und da ein paar Minuten Zeit hatte, irgendwann Angst gemacht hat. Nicht, weil ich mich hier mehr entblöße als in anderen Texten sondern weil ich darüber schreiben soll, dass ich beim besten Willen nicht weiß, dass nicht weiß Wann ich schreiben soll.

In der Zeit in der ich den Abgabetermin für diesen Text immer weiter nach hinten schiebe, es sind fast 16 Wochen, bin entweder ich oder das Kind krank. Es ist Herbstanfang, die Erkältungssaison hat begonnen und überall um mich herum murmeln sich: Eltern mit glasigen mügen Augen und roten Nasen Winter is coming to. In letzter Zeit erfüllt mich das Schreiben vor allem mit Trauer. Ich habe Ideen für Texte die zumindest eine kleine Bibliothek füllen könnten. Und ich habe auch die Disziplin, meine Ideen umzusetzen. Beides bringt mir allerdings wenig, denn als Elternteil hast du zwei Vollzeitjobs. Mit dem einen verdienst du Geld, der andere besteht aus unbezahlter Care-Arbeit die gesellschaftlich als selbstverständlich angesehen wird. Das ist nicht schön, das ist meine Realität. Hatice: Direkt weiter, Sarah. Und wir lesen das zusammen vor, weil das ist so ein Theatertext geworden oder so ein Dialog. Genau, und du liest dann S vor und ich lese T vor.

Sarah Genau.: Der wesentliche Kern ist die Objektivierung. Betroffene sind keine einzelnen Individuen mit verschiedenen Geschichten und Lebensentwürfen, sondern deformiert zu einer homogenen Masse. Hatice: Der Umgang mit Antisemitismus bleibt also abstrakt? Sarah: Maybe. Und Hatice: wird entweder vehement abgewehrt oder instrumentalisiert? Sarah: Definitely. Hatice: Sprechen wir hier von einem Diskursgegenstand? Sarah: Oder eine gespaltene Identität? Statt Verengung, Reduktion, letztlich Abwertung auf diesen einen unveränderlichen Aspekt unter eigentlich vielen. How are you holding up? Eine schrecklich einfache Frage die entweder nichts oder alles bedeuten kann. Von Begrüßungsfloskel bis aufrichtiges Interesse. In jedem Fall hängt die richtige Interpretation der Frage nicht nur am sozialen Setting, sondern unterliegt auch einer gehörigen Portion Willkür. How are you holding up?

Attention, false flag. Plötzlich kristallisiert sich ein Muster heraus. Die: Wiederholungstat, die immer gleiche Falle schnappt zu. Es beginnt mit dieser einfachen Frage. Die TäterInnen, Friends, Bekannte, Mitbewohnies, Colleagues, Comrades, wissen es zumeist nicht. Oder doch? Hatice: Du willst ihnen keinen Vorwurf machen. Oder doch? Sarah: Ein zermürbender Prozess in personenunabhängiger Inszenierung. Der Tonfall mitfühlend. Tatsächliches Interesse an dir, an deinem Befinden, Einschränkung, nicht irgendein Befinden. Und mit der Einlassung schnappt die Falle zu. How are you holding up? Schnipp schnapp. Die Frage zielt eben nicht auf dich, oder doch, aber auf dich als Zielscheibe.

Auf einen ganz bestimmten Zustand auf dein Seitdem. Die Frage mit unausgesprochenem Appendix, tonal zwischen den Zeilen mitschwingend weich sanft zugewandt Zunächst. Die TäterInnen wissen es nicht. Oder doch?: Wie dem Ausweichen. Auf Social Media zum Beispiel. Schnipp schnapp. Hatice: Wie geht's dir? Sarah: Der kleine Tod. Die kleine Selbstauslöschung, das kleine Aus-der-Welt-Sein alles weggewischt ausradiert, einfach so, alles vergeben und vergessen, die ganzen Posts Instagram-Kacheln. Müssen Sie es nicht besser wissen, meine KünstlerInnen-Friends, meine queerfeministischen, antirassistischen, antikapitalistischen, antiklassistischen, antifaschistischen AntifreundInnen? Die Besonderheit besteht im globalen geweißten elitären Othering in die Position der vermeintlichen UnterdrückerInnen In Deutschland angesichts der nationalsozialistischen Vergangenheit besonders infam. Tada, ich hab's gesagt. Ich schwinge den Nazi-Baseballschläger. Kein Vergeben, kein Vergessen.

Unablässig von zahlreichen Widersprüchen in diesem globalen Irrtum: bedeutet es doch für Jüdinnen und Juden in Deutschland entweder die Unsichtbarmachung ihrer Marginalisierung zugunsten anderer marginalisierter Gruppen, Personen oder eigentlich Positionen oder besser, um die beste Position im Nekrosystem globaler Norden. Und ich weiß nicht, was schlimmer ist. Die besondere Berücksichtigung qua einer Lupe, die gegen die Sonne gehalten zum gefährlichen Brennglas wird oder die autoritär getarnt als Schutzmaßnahme die toten Idealjüdinnen und Juden anvisiert zum Leidwesen aller anderen rassifizierter Menschen. Wie ich es drehe und wende welche Position ich auch einnehme weil mindestens die Minderheiten werden entweder autoritär gegeneinander ausgespielt oder Squid Game miteinander um den besten Platz im Versöhnungstheater.

Für Jüdinnen und Juden bedeutet das, sich mit vermeintlichen Schutzmaßnahmen auseinandersetzen zu müssen, die nicht immer den eigenen politischen Ansichten entsprechen. Im extrem schnellen aufgeladenen Straßenaktivismus ist kein Platz für Differenzierung.: Umso wichtiger ist ein handelnder Kulturbetrieb der Verantwortung übernimmt. Ist das nicht die Jobbeschreibung? Räume schaffen, Differenzierung, Learnings Viele jüdische AutorInnen beschreiben ihren Zustand nicht erst seit dem 7. Oktober als ein stetes Schwanken zwischen Brennglas auf diesen einen unveränderlichen Aspekt ihres Seins oder aber auf das maximale Verstummen Alleingelassen. Hatice: Die Arbeit an deinem Text ist Sarah: anstrengend. Über den Literaturbetrieb schreiben. Ein Ort, eine Gruppe, eine Zugehörigkeit, ein System oder Konglomerat einer Vielzahl an AkteurInnen und ich, gerade ich, die avantgardistische Randerscheinung. Und dann die ganzen Kürzungen, die Sparmaßnahmen die offenen Briefe die Aufrufe zum Boykott die Resolutionen und ich, ich schreibe.

Oder besser gesagt, starre in den Bildschirm. Ich scheitere obwohl ich mir das genaue Gegenteil versprochen: hatte. Endlich aufräumen. In mir. Archäologin meiner eigenen Gefühle sein. Endlich all die Dinge ausgraben die mich nicht erst seit letztem Jahr, aber im letzten Jahr umso deutlicher drängen und deren Veräußerung mir Halt geben sollte. Hatice: Okay. Danke für euer Vorlesen danke für eure Texte überhaupt und jetzt würde ich gerne mit euch einmal über den Entstehungsprozess ein bisschen sprechen von euren Texten weil ihr habt ja beide so besondere Situationen also du hast es nicht beschrieben aber du schon, du hast den Text zum Beispiel verloren, das finde ich irgendwie auch sehr witzig wie der Anfang ist, dass, ja, wenn man irgendwie den Text nicht abspeichert, fehlen halt die Worte und bei dir geht es ja auch sehr viel da um Zeit.

Und wenn du eben diesen Text verloren hast, dann hast du keine Zeit, den nochmal neu: zu schreiben. Weil ich könnte jetzt sagen, ohne Kinder, schreib den halt nochmal neu, dann ist das eben so. Und du hättest das eben nicht machen können und dann hätten wir diesen tollen Text nicht gehabt. Und Sarah, bei dir, also vielleicht könnt ihr gleich nochmal ein bisschen erzählen, wie dieser Entstehungsprozess dieser Texte war. Bei dir haben wir, ich hatte dich noch gefragt, ob es okay war, dass ich das erzähle weil wir haben ja collabt an diesem Text. Weil du hattest mir so, kannst du gleich erzählen, genau, also erzählt mal, wie war es für euch, diese Texte zu schreiben, weil ihr beschreibt ja auch, wie fast alle in dieser Anthologie, dass ihr Angst hattet, das finde ich auch sehr lustig, dass ich auf der anderen Seite jetzt mal stand, wo Leute Angst vor mir haben und mir ihre Texte schicken und dass man ihnen Angst macht. Genau, also erzählt mal, wie war es für euch, diesen Text zu schreiben, wie war der Entstehungsprozess, wie fängst du an?

Josephine Also ich glaube, du hast gerade was benannt was ich ganz interessant finde und zwar meintest du, wenn die Worte verloren: gehen und dann sozusagen nicht die Zeit da ist, um die nochmal neu aufzuschreiben und ich finde es total spannend, weil mein Gefühl dazu ist eigentlich anders. Meine Worte sind nie verloren, aber ich habe in der Regel nicht die Zeit, um die Worte, die da sind, aufzuschreiben. Ich glaube, das ist vielleicht stärker mein Gefühl. Und tatsächlich habe ich sehr viel von dem, was passiert ist, zwischen, ich glaube du hast mich im März angefragt wenn mich nicht alles täuscht ich bin mir nicht ganz sicher, aber du hast mich auf jeden Fall im Frühjahr ich glaube, 23 angefragt und die Abgabe war im Herbst. Und ich weiß noch, dass ich dachte, ah schön, die Anfrage ist ja mit so viel Zeit, das sollte ich hinkriegen. Und dann stellte sich aber heraus, dass ich wirklich immer nur so zwischendurch das hingekriegt habe zu schreiben, weil ich eigentlich einfach... Nicht vom Schreiben leben kann. Das heißt, meine Lohnarbeit oder die Arbeit, mit der ich mein Geld größtenteils verdiene, ist nicht das Schreiben, ist leider nicht das Schreiben.

Und so habe ich tatsächlich einfach immer Minuten hier: zusammengebastelt mit Minuten da zusammengebastelt mit der einen Bahnfahrt die ich in Teilen ja auch beschreibe. Und ich merke, dass das herausfordernd ist und ich finde es ganz interessant. Mich hat gestern eine Person gefragt, wie ist es eigentlich unter Zeitdruck zu schreiben, wenn du weißt, du musst etwas abgeben. Und ich merke dass sich mein Schreiben auch in den letzten vielleicht zwei Jahren stärker verändert hat. Einerseits weil ich kein ganzes Buch geschrieben habe, sondern eher Anthologietexte Aber ich merke auch, dass mein Schreiben sich verändert hat, weil ich mehr zulasse, dass ein Gedanke sozusagen einfach nur ein Ausschnitt von einem Prozess ist.

Und so sozusagen merke ich dass das was anderes mit mir macht, was anderes mit meinem Schreiben macht, weil ich... Quasi nicht mehr einen ganzen runden Bogen in einem Gedanken versuche nachzuvollziehen, sondern wirklich eigentlich einfach eine Momentaufnahme zu machen. Und natürlich habe ich trotzdem quasi den Abgabestress aber der bezieht sich sozusagen weniger stark auf den Inhalt meiner Texte Und das fand ich ganz interessant.: Hatice: Ja, gut, dass du es geschafft hast. Auch wenn, wir haben wirklich den Abgabetermin immer weiter nach hinten geschoben. Du warst ja auch nicht die Einzige. Also es sind ja viele marginalisierte Positionen in dieser Anthologie, deswegen. Also war es auch so eingeplant, dass man es immer weiter nach hinten verschieben kann. Wir haben euch eine frühere Deadline einfach gesagt. Josephine: Vielleicht noch das. Ich finde es richtig lustig weil darüber habe ich mit Mareike gesprochen. Und Mareike meinte, ja, die haben eh eingeplant, dass wir später abgeben. Du musst dich gar nicht stressen. Hatice: Ja die Verbrecher haben gesagt, kannst vergessen. Es wird vielleicht zwei Leute abgeben. Das war auch am Ende so. Aber gut. So, Sarah, möchtest du auch einmal erzählen, wie der Entstehungsprozess war? Ich Sarah: das mit dem Abgeben auch total lustig weil ich habe ehrlich gesagt erst vor... Zwei Jahren erfahren, dass man Texte tatsächlich auch später abgeben darf. Ich war davor immer super pünktlich und hat mir immer mega den Stress gemacht.

Ich brauche auch Deadlines, muss ich ganz ehrlich sagen. Also Deadlines helfen mir sehr. Ja, mich zu strukturieren. Und ich glaube,: der Text war der allererste Text, den ich nicht pünktlich abgegeben habe. Hatice: Wow. Sarah: Und du hattest richtig Panik Ja, also der Entstehungsprozess Ehrlich gesagt, an den ganz kompletten zeitlichen Verlauf kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich kann mich noch daran erinnern dass ich mir so eine Zeit geblockt hatte, irgendwann im Sommer. Und in der Zeit habe ich sehr viel recherchiert und das finde ich immer sehr praktisch. Also recherchieren ist ja so, man hat was gearbeitet, aber man hat halt noch nicht geschrieben. Das schiebe ich dann immer so vor mich her und sage, ich muss noch recherchieren, ich muss noch mehr lesen.

Ich habe jetzt noch nicht alles gelesen. Und irgendwie genau, also in dieser Zeit, die ich mir geblockt hatte, habe ich gar nichts geschrieben. Und dann habe ich das natürlich immer so weiter nach hinten geschoben. Und ich habe aber gemerkt, also ich habe viele Gedanken gehabt, ich habe das irgendwie immer, ich habe sehr viel so geschrieben, also einfach so, ohne jetzt einfach: alles so rausgelassen quasi. Aber ich war mir total unsicher vor allem auch über die Position, die ich einnehmen möchte, über die Stimme, über die Ich-Perspektive vor allem auch. Ich hatte glaube ich am meisten Angst hatte ich davor irgendwas zu vergessen oder irgendwas auszulassen oder irgendwas nicht auf dem Schirm zu haben, weil ich bin ja auch nur eine, ich habe ja nur meine Perspektive und wie soll ich jetzt für eine Gruppe schreiben, die unfassbar vielfältig ist. Und auch über eine Anfeindung zu schreiben, die unfassbar vielfältig ist. Und wie kann ich mir das überhaupt herausnehmen? Darf ich das überhaupt? Und das wurde so schlimm, dass ich Wochen, Monate lang gar nichts mehr gemacht habe. Also wirklich so in so ein Ghosting in so ein inneres Ghosting auch gegangen bin.

Also mich selber auch geghostet habe. Dich geghostet habe. Oder irgendwie so diese ganze, also alles irgendwie so das so. Und irgendwie auch schon...: Ja, schon so einen halben Exit irgendwie hatte und dachte, okay, finde ich irgendjemanden der meinen Platz übernehmen kann? Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Naja, und ich glaube, du hast mich ein paar Mal angeschrieben und das war, glaube ich so vor Weihnachten oder so oder um die Weihnachtszeit Habe geschrieben, Hatice: die noch keinen Text hatten, ja. Wo Sarah: ich dann irgendwie dann dachte, okay, ich mache das jetzt so wie früher in der Schule. Ich lege jetzt einfach alles offen. Das ist so das Letzte. Ja, das ist irgendwie das Letzte was ich jetzt machen kann quasi. Und dann habe ich dir halt gesagt, du, also das ist die Phase gerade. Ich habe gar keinen Plan, es ist alles ganz schlimm, ich komme gar nicht weiter, ich bin am Verzweifeln. Und ich muss sagen, das war auch das erste Mal, dass ich mir das getraut habe gegenüber einer Herausgeberin oder gegenüber einer Person, die einen gewisserweise schon, naja. Ich will jetzt nicht unbedingt sagen, dass da ein hierarchisches Verhältnis besteht, aber irgendwie ja schon, weil du überblickst halt alles.

Du bist irgendwie: verantwortlich Also bin ich ja dir gegenüber verantwortlich Oder auch den anderen AutorInnen gegenüber verantwortlich Aber du bist so der Knotenpunkt, wo sich das alles begegnet. Und das hat sich gar nicht gut angefühlt im ersten Moment, das quasi so offen zu legen. Aber ich muss sagen, du bist sehr gut damit umgegangen. Und hast mich so gepusht Und hast halt gesagt, ich soll dir einfach mal das schicken was ich habe. Und das war auch ein ganz komisches Gefühl, weil das waren ja so ein paar also 10, 20 Seiten. Ich Hatice: glaube 21 oder so, ja. Sarah: Wustes Zeug Aber ich war so, nee, okay, jetzt bin ich den Weg schon gegangen, jetzt schicke ich das einfach so, wie das ist.

Ist mir jetzt egal, ich schicke das ab und ich schalte alles auf stumm und ich stecke, keine Ahnung, ich mache die Tür zu und ich tue so, als würde es nicht existieren. Und ja du hast relativ schnell darauf reagiert und ich fand das echt faszinierend, weil du hast daraus einen Theatertext gemacht, also du hast so einen Theaterdialog: draus gemacht, also zumindest den Anfang davon und das hat sofort bei mir total resoniert also ich habe das total gefühlt in dem Moment, ich war so, hä, wie konnte ich das denn nicht sehen, also das hat wirklich wie so, als hättest du aus so einem ganz dichten Nebel So den Weg plötzlich angeleuchtet und das hat dann dazu geführt, dass ich diesen Text schreiben konnte. Also ich habe den eben größtenteils aus diesen Teilen geschrieben. Ich habe mir sehr viele Gedanken über diese Figuren, also es tauchen eben, es gibt eben so diese eine Figur die halt einen Text schreibt und eine andere Figur die... Whoever ist, also es ist der Text oder der Therapeut oder keine Ahnung, es ist einfach so eine Dialogfigur.

Und der ganze Text funktioniert eben auch mit Regieanweisungen, die haben wir jetzt eben gerade gar nicht gelesen und auch mit Zitaten die über Videoprojektionen quasi auf die Bühne projiziert werden. Und ja, also das war dann schon nochmal ein längerer: Schreibprozess. Also der Text war in dem Moment jetzt noch nicht fertig, ich weiß gar nicht genau, wann ich ihn abgegeben habe. Aber danach hat das eigentlich gesagt auch total spaß gemacht plötzlich an diesem text zu schreiben also was vorher sich so unfassbar schlimm angefühlt hat wurde plötzlich sowas total Produktiven, schönem, ja, also ich habe mich auch gut gefühlt dass ich den Text abgegeben habe. Ich finde ihn auch bis heute noch gut, was ja auch ungewöhnlich, also oder was, ja, also ich bin schon auch jemand, der dann ein paar Jahre später denkt, oh ja, okay, würde ich heute anders machen. Aber ist auch okay, dass das so in der Zeit passt das. Aber ja, also ich bin dir auf jeden Fall sehr dankbar. Das war auf jeden Fall unfassbar schöner Kollabo... Kollabo... Cool! Kohle gemeinsamer Prozess. Also auch danke dir, dass du da so viel Arbeit reingesteckt hast und dir da auch die Mühe gemacht hast das alles zu lesen. Und ja,

Hatice natürlich, das ist ja auch meine Aufgabe,: dachte ich. Ich dachte, alle werden irgendwie kommen und mich nachfragen. Ich war ready. Ich war so, endlich, jemand braucht meine Hilfe. Sarah: Aber ich finde es eh voll spannend, wie häufig du in diesen Texten auftauchst also entweder bei mir aus der Stimme aus dem Orf, aber auch so immer mit dieser Haltung von Angst oder reicht das, ist das genug, aber auch eben so als Unterstützerin also ich finde das sehr spannend in dieser ganzen Anthologie, das ist so ein Faden, der sich so durch alle Texte irgendwie zieht. Hatice: Ja, stimmt, ja, alle haben irgendwie auf jeden Fall reingeschrieben dass sie... Auch vor allem Angst hatten, glaube ich, vor ihrem Thema so ein bisschen oder so ein bisschen Respekt hatten vor ihrem Thema. Ja, aber super cool. Ich fand die Collaboration richtig nice. Vor allem ich hatte mich sehr viel mit Theater zu dem Zeitpunkt auseinandergesetzt und inhaltlich war ja alles schon da.

Du musstest halt nur irgendwie so eine Struktur finden. Also: es war eigentlich... Für mich dann natürlich easy zu sehen und für dich dann natürlich nicht. Ich meine, es ist ja irgendwie so, Lektorat ist ja auch immer so, dass man dann Hilfe bekommt. Genau, und Josy du erzählst noch in deinem Text, dass du immer wieder gefragt wirst nach deinen Schreibroutinen und dann du sagst, du hast gar keine Routinen und Schreibroutinen sowieso nicht. Und im Betrieb gibt es ja auch immer noch nicht so wirklich viel Platz für Leute wie... Mütter oder queere Leute oder andere Lebensrealitäten außerhalb Cis Hetero Männer. Und daran hält sich der Betrieb so fest. Also der Betrieb denkt irgendwie, alle schreiben unter den gleichen Bedingungen, in so einer Höhle, mit einer Kerze, ganz alleine.

Aber so ist es ja gar nicht. Wie gelingt es aber, euch trotzdem zu schreiben? Auch wenn es eigentlich nicht, der Betrieb nicht unbedingt für euch. Für euch, ja, die Bedingungen nicht da sind: eigentlich. Wie schafft ihr es trotzdem? Josephine: Ich glaube, ich habe darauf gar keine total gute Antwort. Und zwar deshalb, weil die letzten Texte die ich geschrieben habe, sind Texte für die ich eine Anfrage bekommen habe, mit Geld und einer Deadline und das hilft ungemein. Ich hatte letzte Woche eine spontane Idee, als ich mein Kind ins Bett gebracht habe und dachte, Dazu möchte ich ein Exposé schreiben. Und dann habe ich angefangen und habe aber direkt gemerkt, so diesen inneren Meltdown, weil ich wirklich für mich persönlich ein Exposé als große Hürde wahrnehme, weil ich quasi alle Gedanken mir schon gemacht haben muss, bevor ich weiß, ob es Ressourcen gibt, die mir überhaupt ermöglichen dass ich daran schreibe. Und zwar auf eine Art und Weise, die bedeutet, dass ich nicht meine komplette Freizeit eigentlich oder abends oder die Momente wo ich einfach einmal ganz kurz durchatmen kann, ohne dass. Dass Menschen mich ansprechen Bedürfnisse mir gegenüber formulieren oder sowas. Und das merke ich eben total. Das heißt, für mich ist es, ich weiß es nicht.

Ich sage es ganz ehrlich, ich weiß es gar nicht so genau. Also ich mag die: Idee, die ich entwickelt habe, gerne Ich werde gucken, dass ich die verfolge, aber keine Ahnung, wo die landet am Ende. Hatice: Das war mein Lieblingssatz aus deinem Text, war das Hassobjekt. Mein Hassobjekt ist das Exposé. Josephine: Ja, genau so ist es. Und ich finde es spannend, weil... Ich ja viele Sachen schon auch machen konnte ohne Exposé, also ich habe zum Beispiel lange mit dem Karlsson Verlag zusammengearbeitet und tue es gerade auch immer noch und da ist einfach vieles dadurch entstanden, dass ich entweder Texte die zum Beispiel übersetzt werden sollte, kritisiert habe, weil ich meinte, sorry, aber da sind so viele Sachen drin, die wirklich einfach auch faktisch falsch sind, das würde ich so nicht veröffentlichen da müsste wirklich stark daran gearbeitet werden und dann, wer auch immer daran arbeitet, müsste eigentlich als Co-Autorin auch genannt werden.

Also manchmal sind so Sachen entstanden oder dass ich wirklich einfach eine Idee hatte und das in fünf Sätzen kurz erzählt habe, das und das würde ich machen, so und so würde ich es machen und das nimmt für mich natürlich total die Hürde weil wenn sie meine Idee bescheuert finden, dann weiß ich das nach fünf Minuten und muss aber nicht vorher sozusagen wochenlang tief schürfende: Gedanken mir gemacht haben, was ist jetzt die Essenz von dem, was ich sagen möchte, wie kommt das Gefühl rüber und all diese Sachen. Hatice: Und in deinem Text, also für mich war das sehr augenöffnend weil ich eben keine Care-Arbeit wirklich leiste, also nicht für kleine Menschen zumindest und also für mich war es deswegen so augenöffnend und wir haben ja auch schon mal so in Sprachnachrichten darüber gesprochen, dass so viele weiße Männer, vor allem so Nepo-Babyboys immer so, also es gibt so eine Person, die wurde so damit vermarktet dass er Sachen auf seinem Handy geschrieben hat. Und ich dachte, what? Alle schreiben auf ihrem Handy. Und dann hast du in deinem Text geschrieben, ich schreibe auf dem Spielplatz in mein Handy ein paar Sätze. Und so schreibe ich meine ganzen langen Texte Und ich schreibe meine Romane in drei Monaten, weil ich habe einfach sonst keine Zeit. Und danach ist meine Gesundheit total im Eimer.

Und dann habe ich wieder diese Zeit verloren. Also für mich war es richtig augenöffnend. Und: ich werde dich noch mal anfragen für was anderes Weil mich das so inspiriert hat für was Neues. Ja, Sarah, wie gelingt es dir trotzdem zu schreiben? Sarah: Also auf jeden Fall mit Deadlines, danke. Selbstgesetzt, also ich kann die mir tatsächlich auch überhaupt nicht selber setzen. Ich brauche das total stark von außen.

Ja, ich glaube, ich bin auch nicht... Ich muss auch keine Care-Verantwortung übernehmen, also zumindest nicht dauerhaft. Und ich kann mir meine Zeit schon ganz gut auch irgendwie einteilen. Gleichzeitig bin ich, glaube ich auch jemand, der wirklich sehr viel so... Die so in the fly macht, also dieses auf dem Handy schreiben zum Beispiel, ist mir auch total, ich nutze auch immer Schreibprogramme, die so auf allen Geräten quasi irgendwie sich immer: automatisch synchronisieren und auch wegen, weil ich sehr viel auch verloren habe tatsächlich, also ich kann das 100% fühlen und irgendwann habe ich das, vor ein paar Jahren habe ich mir das so eingerichtet, dass das automatisch immer alles an die Cloud geht, sobald ich irgendwie im Internet bin. Das war auf jeden Fall auch... Eine Erleichterung. Und ja, mir passiert das total oft, dass ich zu Hause noch irgendwie sitze und irgendwas arbeite los muss und schon auf dem Weg zur Bahn auf meinem Handy das noch so weiter tippe oder so. Aber... Ich muss sagen, ich finde schon, also für mich ist es auf jeden Fall in den letzten Jahren, also jetzt nicht nur bei der Arbeit an diesem Text, sondern generell irgendwie auch anstrengender geworden, weil ich schon das Gefühl habe, dass die äußeren Umstände einfach schwerer geworden sind, also dass man einfach mehr arbeiten muss für weniger Geld, dass alle Kosten irgendwie gestiegen sind, dass es viel weniger...

So Kulturunterstützung irgendwie gibt und alle irgendwie so: abgemüht sind, alle irgendwie müde sind, alle irgendwie unter den politischen Bedingungen wie auch immer leiden und dass das so eine generelle... Kann man das Burnout nennen? Ich weiß es nicht. Oder so eine Müdigkeit, so eine Fatigue, so eine Angestrengtheit überall ist. Und die auch finde ich sehr stark, also die spüre ich auch ganz stark. Also aus meinen eigenen Lebensbedingungen, aber auch so beim Schreiben im Austausch mit anderen. Ich habe so das Gefühl, es gibt viel weniger Austausch. Also bei mir ist es zum Beispiel auch sehr stark dieses Social Media, dass das einfach nicht mehr existiert. Also da fand einfach sehr viel meines... Auch produktiven Austausches statt und ich merke, dass mir das auf der einen Seite fehlt, auf der anderen Seite ich kann diese ganzen Apps nicht mehr benutzen, das ist furchtbar. Es strengt mich so sehr an, ich bin auch froh dass ich das, ich öffne das nicht mehr. Es bringt mir nur Ärger oder nur Unmut deswegen ist es auch okay, das nicht mehr zu haben, aber ich merke halt schon auch, dass es Hatice: mir

Sarah fehlt: manchmal. Hatice: Das schreibst du ja auch in deinem Text, dass du dein Kollektiv und sowas verloren hast und Sarah: darüber Hatice: hatten wir auch in unserem Gespräch gesprochen, dass es dir auch gerade im Moment alles so ein bisschen schwer fällt und dadurch ist wahrscheinlich die Arbeit am Text auch schwer gefallen, weil ich finde es auch irgendwie so, sich auszutauschen mit anderen AutorInnen ist total wichtig und total oft an dieser Anthologie haben Leute mich einfach nur angerufen und wollten einfach nur... Was sagen, so ranten einmal und ich so, okay, tell me, ich höre zu, ich rante mit dir. Genau, also in meinem Vorwort schreibe ich ja, dass ich sehr oft verzweifelt bin und dass eigentlich diese Anthologie durch Verzweiflung entstanden ist, also das hat tatsächlich hier auf der Buchmesse angefangen vor drei Jahren, dass ich überhaupt diese Idee hatte, über Solidarität ein bisschen mehr zu sprechen.

Weil ich das Gefühl hatte, hier gibt es nicht so: viel und irgendwie sehr erschrocken war das erste Mal, dass ich hier war und ihr schreibt ja auch so beide darüber, man ist so in einer Rolle, in der man sein soll, aber dann ist diese Rolle so ein Trendthema und dann soll man aber auch nicht, also alle anderen haben jetzt keine Chance mehr, weil man ist ja, als weißer Mann hat man ja keine Chance mehr, blablabla egal. Genau, mir, also ich war richtig, so nach drei, vor drei Jahren dachte ich hier, ich bin verzweifelt was ist das hier eigentlich, weil ich das überhaupt noch mache, ich weiß es gar nicht, aber für mich ist es dann doch ein Antrieb gewesen, irgendwas zu machen und dann habe ich halt erst den Podcast angefangen weil das ist easy, das kann man einfach so ins Internet stellen und alleine machen und dann Genau, kam halt die Anthologie relativ sogar danach, aber es dauert natürlich länger als das Jahr im Buch.

Und habt ihr Projekte mal angefangen aus Verzweiflung oder denkt ihr, aus: Verzweiflung kann man irgendwie auch ein bisschen Kraft ziehen oder lebt es euch mehr oder was ganz anderes? Würdest du erstmal anfangen? Also Sarah: ich kann eigentlich, ich kann schon aus sehr vielen Gefühlen auch Kraft ziehen Also früher war das auf jeden Fall war das Schreiben oder generell auch so künstlerische Arbeit schon auch oft einfach so eine therapeutische Verarbeitungssituation, in der ich einfach irgendwas, was mich gerade stresst oder anstrengend verarbeitet habe. Aber es schließt ein bisschen an an das, was ich vorhin gesagt habe. Ich habe das Gefühl dass mir das immer schlechter gelingt quasi oder dass ich halt dann schneller auch bei so negativen Gefühlen eher so... Ja, dass das nicht mehr so den kreativen Prozess antreibt oder dass ich mich eben so ein bisschen gelähmt auch fühle und so.

Aber ja, es ist so ein bisschen beides parallel: gleichzeitig. Es gibt schon immer mal wieder die Momente wo das zu sowas Drängendem wird. Aber also ich muss für mich jetzt gerade sagen, momentan ist das nicht so bei mir. Wenn ich ganz ehrlich bin, zu mir selbst. Hatice: Bei mir auch nicht immer, aber es ist halt so periodisch irgendwie. Manchmal hat man noch die Kraft und manchmal ist die Kraft auch einfach weg. Man braucht die zum Überleben. Sarah: Ja. Hatice: Okay. Josy du? Josephine: Meine Gedanken sind gerade noch so ein bisschen in eine andere Richtung gegangen. Und zwar, ich glaube, dass ich eigentlich Sachen gut parallel machen kann, die scheinbar nicht miteinander vereinbar sind.

Und gleichzeitig ist es aber so, Dass ich merke, dass mir wichtiger geworden ist, dass Trauer zum Beispiel, also ich würde Verzweiflung jetzt zum Beispiel auch als Trauer deuten, dass Trauer auch einfach sein darf, ohne dass sie produktiv sein muss, über sozusagen das, was Trauer bewirkt hinaus. Ich musste daran denken, dass ich schon ein paar Mal auch Texte und auch Buchprojekte: gehabt habe in Situationen wo es mir einfach sehr schlecht ging. Also zum Beispiel in depressiven Episode und dann habe ich trotzdem auch was fertig geschrieben. Aber im Nachhinein betrachtet würde ich sagen, für mich wäre eigentlich wichtig, das nicht zu müssen, sondern tatsächlich sozusagen das, was da ist, einfach sein zu lassen und sozusagen diesen Fluss sozusagen den eigenen Weg finden zu lassen, um gegebenenfalls mit dem zu arbeiten, was ich dann daraus gelernt habe oder integriert habe oder was ich eben teilen möchte. Aber ich merke, dass ich nicht mehr unbedingt diesen Druck haben möchte. Diese Sachen sozusagen parallel laufen zu lassen und auch lassen zu müssen in gewisser Weise. Hatice: Das ist irgendwie auch auf Social Media, finde ich sagen das auch sehr viele Leute im Moment, dass sie nicht mehr nur noch vom Schreiben leben wollen, weil es einfach so anstrengend geworden ist.

Und eben auch, dass man gar nicht alles machen kann, was man will. Und vor allem auch der Betrieb möchte ja sehr oft einfach so: Blog-Text. Die wollen ja meistens gar nicht so Lyrik oder Theatertexte oder Kunstprojekte Die wollen oft einfach nur einen Roman, was ich sehr anstrengend finde. Oder Sarah: allein schon Texte die einfach hybrider sind oder die einfach sich nicht so einfach in diese Kategorien... Das stand auch in irgendeinem Text. Es muss entweder ein Roman oder ein Sachbuch sein. Und alles dazwischen ist halt irgendwie so, will halt niemand. Das ist ja ein Lied. Und davon kann ich ein Lied singen. Ich Josephine: habe gerade aber tatsächlich noch so ein bisschen in eine andere Richtung gedacht, weil ich ja viel auch mit Verlagen schon zusammengearbeitet habe. Und was ich eben merke ist einerseits die Zeiten wandeln sich sowieso konstant aber ich merke gerade auch in dem Themenkontext in dem ich arbeite, hat sich viel getan in den letzten Jahren. Und es gab eine Zeit, wo Menschen, die Texte geschrieben haben, wie ich es mache und auch zu ähnlichen Themen, wo das wirklich sehr nachgefragt war und ich merke, dass sich das total verändert.

Was ich aber auch merke ist einerseits sozusagen natürlich die: Relevanz von künstlicher Intelligenz und auch die Frage nach Reichweite, die einfach ja zunehmend gestellt wird. Also es gibt Verlage, die wirklich ja viel auch arbeiten mit Leuten, die von Beginn an eine hohe Reichweite haben, weil die Wahrscheinlichkeit ist dass Bücher sich gut verkaufen. Einfach viel höher ist und es geht am Ende eigentlich viel auch um die Frage, was lässt sich verkaufen und ich denke, dass sich das, also einerseits mit KI, die ja einfach sehr viel generischen Text sozusagen produzieren kann und aber auch mit Leuten, die eigentlich kein eigenes Interesse haben, daran Texte zu verfassen und irgendwie Sachen zu explorieren anhand von Texten dass sich das sozusagen noch viel weiter zuspitzt

Hatice Wie geht ihr mit KI eigentlich um? Das ist jetzt einfach nur so eine Frage von mir, weil ich finde es auch super schwer. Vor allem alle sagen mir immer, ich muss lernen, damit umzugehen. Aber was soll ich denn lernen? Irgendwie so in KI irgendwas einzutippen?: Also wie geht ihr damit um? Mit KI, Rising? Sarah: Also ich nutze es ganz gerne zur Recherche. Ich nutze Perplexity, also nicht ChatGPT, weil Perplexity halt wirklich einem einfach, also da stimmt einfach jeder Bezug sozusagen, also es halluziniert nicht so viel und es gibt ja quasi immer die Links und ich muss sagen, also gerade bei so Sachen, die jetzt nicht mein Spezialgebiet sind, dass ich schreibe gerade an einem Roman, der spielt im Jahr 2015 und ich muss immer mal wieder so in die Zeit zurückgehen und halt gucken. Was gab es zu der Zeit, also ich habe jetzt zum Beispiel gerade recherchiert, ob es eine Form von online-therapeutischen Situationen gab schon 2015, weil aus der heutigen Perspektive wirkt das ja als etwas total plausibles, aber gab es das schon 2015 und habe darüber dann herausgefunden dass es tatsächlich so ein Forschungsprojekt, ein europaweites Forschungsprojekt gab, was sich damit beschäftigt hat.

Und da konnte ich halt innerhalb, also ich konnte glaube ich so in so einer guten Stunde: total gut erfassen, was... Worüber dieses Forschungsprojekt handelte, was es davon in Deutschland gab und so weiter und so fort und konnte dann so ein, daraus dann halt was für meinen Roman ziehen und das wäre, glaube ich ohne AI hätte das länger gedauert quasi, weil das ist nicht mein Fachbereich, ich hätte, man muss ja erstmal so gucken, also man hat natürlich auch schon vorher über Google-Suche wahnsinnig viel gefunden, aber es hat mir schon irgendwie geholfen, mir das schneller irgendwie so hinzulegen, dass ich das irgendwie schnell nutzen konnte. Und gleichzeitig aber mit dem Gefühl, okay, ich habe das jetzt schon durchdrungen auf eine Art, so wie ich es jetzt halt brauche. Und in den Bereichen finde ich KI bisher eigentlich ganz nützlich Aber ich finde, man muss halt wirklich, ja, also man muss einfach aufpassen. Also aufpassen, was die eigene Textproduktion angeht aufpassen was...

Die Informationen angeht die man da bekommt, aufpassen über die Biases die diese Programme haben, dass sie das immer wieder so bewusst machen und ich glaube, das ist: so für mich das größte Problem, dass die meisten Menschen sich das einfach nicht bewusst machen, also gerade auch was so Biases angeht also wie werden diese Daten aufbereitet? Die werden ja auf die gleiche Art aufbereitet wie halt auch in unserer Gesellschaft einfach. Dinge aufbereitet auf eine diskriminierende oder auf eine sozusagen perspektivbeschränkte Art. Und das finde ich eben so, das ist eines der größten Probleme dieser Programme. Josephine: Ich finde das interessant. Ich habe viel darüber nachgedacht, welche Relevanz künstliche Intelligenz hat. Also vielleicht auch für mich persönlich im Kontext von Schreiben. Und was ich super interessant finde, ist, dass Texte ja wirklich sehr generisch sind, sehr glatt sind sozusagen, wenn sie damit erstellt werden.

Und im Moment, mal gucken, wie lange das anhält, aber im Moment bin ich so ein bisschen glaube ich, innerlich an dem Punkt, dass ich mir denke, interessant, vielleicht kann das sozusagen auch zusätzlich eine Erlaubnis für mich sein, noch: menschlicher, noch bruchstückhafter, noch... Um weniger klar, noch weniger auflösend zu schreiben. Ich glaube, dass ich da gerade so ein bisschen bin. Also dass sozusagen dieses Prozesshafte, dieses Unabgeschlossene dieses Nichtglatte, dass das vielleicht auch etwas ist, was ich mir sozusagen näher ranholen kann für mich. Ich glaube das. Und was ich eine Zeit lang gemacht habe und glaube ich auch immer mal wieder machen werde, ist das tatsächlich stärker zu benutzen so als Tool für Textreflexion Also ich habe mich irgendwann einfach stärker gefragt. Wer bin ich eigentlich im Schreiben? Also vielleicht auch was macht mein Schreiben aus? Nicht unbedingt, was macht es besonders, aber was ist sozusagen gerade mein Status Quo? Was ist etwas, was ich viel zum Beispiel mache, was mich viel interessiert? Und auch das fand ich total interessant, weil mich das tatsächlich nochmal auch stärker ermutigt hat, da noch viel mehr reinzugehen also viel mehr sozusagen ich im Text zu werden.

Hatice Schön. Ich wollte nochmal kurz erwähnen, es gibt natürlich auch so KI-Leute die coole Arbeit machen, zum Beispiel Franziska Ostermann,: die Cyber-Poetin, die hier im Publikum sitzt. Sie macht richtig coole Sachen mit AI. Müsst ihr euch unbedingt angucken. Ja, und ich wollte nochmal fragen, ihr habt auch beide, also wir haben es auch gerade ein bisschen aus deinem Text gehört, dass die eigene Marginalisierung so ein Thema immer sein soll und auch wird und man immer dann in so eine Schublade gesteckt wird, dass man eben nur... Über das schreiben kann, also du kannst jetzt nur über Antisemitismus schreiben und du sollst immer über Rassismus schreiben und du hast ja in ganz vielen Podcasts gesagt, du darfst über Care-Arbeit schreiben, was ich sehr krass fand, weil ich dachte, du hast Kinderbücher gemacht, warum, ist doch klar, dass man dich für Care-Arbeit anfragt und generell natürlich, also eine Mutter fragt man doch an für Care-Arbeit, deshalb fand ich das immer krass, dass du das so oft erwähnst.

Genau, aber... Und sobald man dann über diese Dinge schreibt, wird man oft dann auch so in eine Schublade gesteckt und es wird einem gesagt,: du schreibst ja nur über ein Trendthema. Und vor allem so andere Menschen aus anderen Bubbles, also aus den heteronormativen Bubbles, sagen dann immer, also was ich jetzt sehr oft gehört habe, wir haben ja gar keine Chance mehr. Wir müssen uns gar nicht mehr bewerben weil ihr gewinnt ja sowieso immer. Und wir sind eigentlich sehr selten nominiert und wir gewinnen sowieso nicht. Vor allem nicht mit so einem wie dem Kulturminister, den wir haben. Können wir vergessen. Aber da wollte ich euch fragen, wie ihr damit umgeht. Also schreibt ihr gerne über diese Themen und ihr wollt weiter über die schreiben? Oder werdet ihr mehr dazu eingeleitet, darüber zu schreiben? Also wie verlasst ihr diese Bubble manchmal und wollt ihr sie überhaupt verlassen? Oder was sind eure Gedanken dazu? Josephine: Ich glaube, also insofern... Geht es bei mir in verschiedene Richtungen als das. Ich glaube, was mich eigentlich sehr zentral interessiert sind zwischenmenschliche Dynamiken.

Und da gibt es natürlich unterschiedliche Ebenen Gesellschaftliche Ebenen,: also Machtverhältnisse zum Beispiel. Und dann aber auch so direkte zwischenmenschliche Ebenen. Das kann natürlich sich ja auch mit der Frage beschäftigen, wie funktionieren Machtverhältnisse dann auf dieser Ebene. Aber mich interessiert einfach zwischenmenschliche Dynamik All diese Sachen, die unordentlich sind, die unsauber sind, die unaufgelöst sind. Und ich glaube, dass das etwas ist, was ich sozusagen in diesem Kontext natürlich gut machen kann. Und gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich zunehmend sozusagen diesen Raum verlasse. Also ich habe einen Text geschrieben für eine andere Anthologie, die nächste Woche rauskommt. Und da geht es um Hoffnung zum Beispiel und ich glaube, ich wurde eigentlich angefragt um etwas stärker auch über Machtverhältnisse zu schreiben, aber ich schreibe überhaupt gar nicht über Machtverhältnisse. Das Hatice: ist diese Hunde-Anthologie? Josephine: Ne, die heißt, was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen. Hatice: Das ist

Josephine noch eine andere Geschichte. Bei der Hunde-Anthologie habe ich es irgendwie hingekriegt, auch über Machtverhältnisse zu sprechen. Aber ja, und da zum Beispiel war ich einfach in einem persönlichen Reflexionsprozess und dachte, ja,: das interessiert mich jetzt und jetzt schreibe ich darüber. Und, ähm... Genau und ich versuche mir sozusagen bei den Anfragen, die ich habe, mir die Freiheit zu nehmen, die ich habe, weil manchmal ist es ja gar nicht klar skizziert sondern das Interessante ist ja, es gibt sozusagen diese Erwartung daran, was ich produzieren könnte und solange die aber nirgends vertraglich festgehalten ist, sehe ich keinen inneren Zwang mich daran auch zu halten.

Sarah Ja, das kann ich eigentlich auch nur unterschreiben. Also ich habe auch eher das Gefühl, dass es bei mir auch eher so... Das gehört halt irgendwie dazu, weil das meine Perspektive ist, aber ich ganz selten überhaupt Lust habe, zum Beispiel über das Thema Antisemitismus zu schreiben, das interessiert mich selber eigentlich gar nicht, aber wenn ich sozusagen inner, wenn ich irgendwie Erlebnisse dieser Art mache oder keine Ahnung es eben gerade irgendwie relevanter ist oder so, dann ist das ja auch für mich als Person, als Aus meiner Perspektive heraus irgendwie relevanter in dem Moment,: in dem ich gerade existiere und schreibe. Und dann taucht das halt da schon irgendwo auf oder so. Aber es ist eigentlich selten so, dass ich denke, ah, das ist jetzt das Thema, über das ich schreiben will. Eigentlich nie. Also gerade bei Antisemitismus nicht. Auch bei anderen Sachen nicht. Auch nicht über Sexismus, auch nicht über Queerfeindlichkeit. Das ist eher so, ja, das sind halt diese Erlebnisse Das sind irgendwie so Dinge, die einen halt berühren, aber und die irgendwie so mitschwingen Aber die selten das Thema sind oder der Kern dessen sind, an dem ich gerade arbeite. Hatice: Ich rede auch immer sehr gerne über Neid also darüber neidisch zu sein, weil ich finde, in diesem Betrieb wird man so dazu angehalten, neidisch zu sein die ganze Zeit auf andere Leute, weil man wird so gegeneinander so fast ausgespielt, indem es immer nur so wenige Förderplätze gibt für Förderung wenig Preise gibt.

Immer eine Person, die gewinnt und dann ist man eben, man wird halt neidisch, also ich zumindest werde: neidisch, weil andere Leute einfach unter guten Bedingungen Texte schreiben können. Und andere dann irgendwie die Zeit haben und das Geld haben und sie müssen sich jetzt nicht noch eine Lohnarbeit umsehen, sondern sie können einfach schreiben, was sie wollen, vielleicht sogar ohne Marginalisierung und werden auch nicht in so Schubladen gesteckt, dann werde ich halt immer super neidisch dass andere Leute das können. Und ich frage eigentlich in jeder Folge, wie Leute mit Neid umgehen. Also spürt ihr überhaupt Neid Wie geht ihr damit um? Und findet ihr... Das ist positiv oder negativ für euch? Also wie ist das so das Gefühl für euch, neidisch zu sein? Es kann ja auch was Positives sein. Josephine: Ich glaube, dass ich keine tiefe Verbindung habe dazu, ob es positiv oder negativ ist.

Ich glaube, es ist einfach da und für mich geht es ganz ähnlich, wie du es beschrieben hast, eigentlich um eine Frage von Produktionsverhältnissen. Also in welchen Verhältnissen bin ich und kann etwas kreieren? Und gleichzeitig: denke ich natürlich schon auch darüber nach, immerhin kann ich auch kreieren. Also ich denke viel auch darüber nach, welche Texte werde ich nie lesen welche Texte werden nie existieren, welche Geschichten werden nie erzählt werden, weil sie nicht wahrgenommen werden als Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden. Also ich merke ich habe da so ein ambivalentes Verhältnis dazu. Und trotzdem bin ich auch viel neidisch, also das ist auf jeden Fall so, das schreibe ich ja auch im Text, dass ich neidisch bin auf Freundinnen von mir, die keine Kinder haben, die dann so teilweise sich bei mir melden so ich komme hier gar nicht weiter und irgendwie, ich weiß auch nicht und die dann so total tiefe Emotionen haben, ich bin so, Digga, du hast Zeit, setz einfach hin und schreib jetzt.

Heul nicht rum, kann ich verstehen, kannst auch schreiben, wenn du deinen Text scheiße findest, geht auch beides parallel übrigens, kann ich dir sagen, mache ich auch oft. Genau, von daher, Neid gehört in meinem Fall auf jeden Fall dazu, aber ich habe kein tiefes Gefühl dazu, ob das jetzt positiv oder negativ ist, sondern es ist einfach da und es begleitet mich und ich glaube, es wird mich auch noch einen Moment begleiten.: Sarah: Geht mir eigentlich ähnlich, also ich glaube, manchmal motiviert mich Neid also dass ich gerade, also mir geht es tatsächlich oft so, wenn ich einen richtig schönen Text lese, also der schön geschrieben ist, dann habe ich so einen Moment von So Neid, also so im Sinne von, boah, also ich finde es schön, aber ich bin auch so ein bisschen neidisch und dann bin ich so, okay, ich schreibe jetzt auch was Schönes und dann motiviert mich das irgendwie oder so oder ich versuche dann auch, dann denke ich halt mehr darüber nach, was ich daran schön finde und so. Also es ist immer dann, es fließt so ein bisschen und genau. Und wenn, dann bezieht sich mein Neid entweder so ein bisschen darauf oder halt auf dieses, auch wie ihr gerade schon gesagt habt, ja, so Produktionsbedingungen wie. Kann ich jetzt mir ein Jahr Zeit nehmen, um einen Roman zu schreiben. Meistens halt nicht, wenn man halt kein Geld hat.

Und dann bin ich schon neidisch auf die Leute die dann das Geld bekommen quasi, weil die sich jetzt eben das Jahr Zeit nehmen: können. Ja, also ich bin immer sehr, das ist immer so, wenn diese Stipendien vergeben werden, auf die ich mich auch beworben habe, dann bin ich auf jeden Fall immer schlecht drauf in der Woche. Aber ich gönne es auch vielen, also ich kenne auch viele der AutorInnen, die da die Stipendien bekommen und ich weiß, dass das tolle AutorInnen sind und ich gönne es auch ganz vielen. Deswegen, ja, es ist immer so ein bisschen so ein Hin und Her, aber ich finde, es steckt auch was Motivierendes drin. Hatice: Man kann zum Beispiel eine Anthologie machen. Also ich bin immer, ich finde Leute immer richtig cool. Also früher war ich immer super krass neidisch. Und mittlerweile bin ich dann, auch wenn so eine Absage kommt, denke ich, okay. Also ich bin kurz so genervt vor allem wenn man dann auf Instagram irgendwie erfährt, wer es jetzt bekommt und man nicht mal eine Absage oder sowas bekommt.

Dann denke ich immer, boah ich könnte nicht mal Nein sagen. Ähm aber... Und mittlerweile denke ich einfach, ich finde die Leute cool, ich mache irgendwas mit: denen einfach. Ich schreibe die einfach mal an und frage einfach mal, ob wir zusammenarbeiten wollen. Genau, so entstehen dann so Anthologien. Ja, wir haben jetzt gar nicht mehr so viel Zeit.

Wir haben jetzt nur noch sieben Minuten. Und wir stellen ja immer so eine Schlussfrage. Nämlich was eure Utopien sind vom Literaturbetrieb. Also ihr könnt gerne... Was zur Messe sagen zum Beispiel, ich sage auch gleich meine Utopie für die Messe, also so eine kleine Sache, aber vielleicht so, ihr habt ja eh schon in euren Texten eure Utopien beschrieben und schon Ansätze gegeben, was man besser machen könnte, also lest auf jeden Fall die Texte aber vielleicht so, was so ein kleiner Schritt ist ich fange mal an, für die Messe ist meine Utopie dass es hier so einen Raum gibt für Menstruation, also wenn man menstruiert gerade, Dass man dann in so einen Raum gehen kann und da ist dann alles, was man braucht und Ibuprofen und Heizkissen: und Wärmeflaschen und vielleicht noch Leute die einen massieren oder sowas und Schokolade. Das wäre cool. Ja, weil ich glaube, viele Leute menstruieren gerade jetzt und sind voller Schmerzen und müssen so tun als wäre alles okay. Genau. Falls ihr Olympia die Eiskunstläuferin gesehen habt, die das während ihrer Periode gemacht hat. Manche Leute stehen ja auch in High Heels und sowas während ihrer Periode. Ja, ich weiß. Genau, dann sagt ihr nochmal eure Utopien und dann werden wir hier rausgekickt. Sarah: Also eine Sache, die mir jetzt einfach jetzt auffällt, während ich hier sitze es ist einfach wahnsinnig laut und super anstrengend sich zu konzentrieren. Und ich habe keine wirkliche... Ich habe jetzt keine technologische Lösung dafür, aber meine Utopie wäre, dass das sich irgendwie ändert.

Also dass man hier irgendwie miteinander interagieren kann, ohne in diesem Rauschen zu sein die ganze Zeit. Ich muss sagen, seit wir hier sitzen,: ich finde, ich muss mich so anstrengen euch zuzuhören Ihr sagt alle so tolle Sachen und es ist so, ich merke so richtig, wie mein Körper arbeitet. Hatice: Ja feel you. Ich glaube, ihr auch bestimmt. Also es ist sehr viel auch zuhören hier. Josy, willst du noch? Josephine: Ich musste mir ehrlich gesagt gerade diesen Menstruationsraum vorstellen und dachte mir, wenn irgend so eine random Person mich massieren würde, würde ich wahrscheinlich meine Zähne fletschen und die Person anknurren, wenn ich meine Tage hätte. Das Hatice: sind natürlich nur Frauen. Josephine: Das wäre mir absolut egal, irgendeine random Person. Ich würde denken, geh weg von mir. Ich glaube, was mich in letzter Zeit einfach sehr beschäftigt ist die Frage nach Geschichten. Also welche ganzen alltäglichen Geschichten gibt es und ich glaube, meine Utopie wäre tatsächlich einfach, dass es mehr Raum für mehr Geschichten gibt, für ganz alltägliche Geschichten, für Geschichten die als kleine Geschichten wahrgenommen werden, für Geschichten, die wir nie hören werden.

Also ich glaube, das ist, wo ich gerade viel drüber: nachdenke Und für mich ist es, glaube ich, auch deshalb eine Frage, weil ich viel auch mit Leuten in meiner Familie darüber spreche. Und meine Mutter zum Beispiel gerade so ein bisschen eine Ahnenforschung macht über die Familie in Deutschland, was die gemacht haben. Also gar nicht nur im Zweiten Weltkrieg, sondern im Ersten Weltkrieg und in der Zeit dazwischen. Und ich glaube, mich interessiert sozusagen so dieses Alltägliche. Ja, wie ist das eigentlich für Leute gewesen, die irgendwie im Ersten Weltkrieg waren und dann auf einmal gar kein Geld mehr da war. Also dieses, vielleicht auch, was bedeutet Leben? So sehr runtergebrochen und wer erzählt darüber? Hatice: Schön, ja. Dann danke, dass ihr da wart. Danke fürs Zuhören. Wir machen jetzt Platz für den nächsten Panel. Ich weiß gar nicht, was jetzt kommt. Aber danke, dass ihr da wart. Danke dir. Danke euch.

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