Care-Arbeit

Shownotes

Was brauchen Care-Arbeitende, um ihrer schriftstellerischen Arbeit nachzugehen? Was können Instutionen tun, um ihnen die Hilfe zu geben, die sie brauchen? Darüber sprechen Dara Brexendorf und Zara Zerbe gemeinsam mit unseren Gäst*innen Julia Dtischke und Sebastian Schmidt.

Ein Hinweis: Wir sprechen nur über Care-Arbeit die Eltern für ihre Kinder leisten. Andere Formen von Care-Arbeit werden in Zukunft eine extra Folge bekommen. Sie wurden in dieser Folge nur angerissen, müssen aber auch thematisiert werden.


Other writers need to concentrate

Parents in Arts Stipendium


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Redaktion: Hatice Açıkgöz, Dara Brexendorf, Zara Zerbe Schnitt: Zara Zerbe Mix: Chris Wacker

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Dara: Literarisch Solidarisch – ein Podcast-Experiment Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Literarisch Solidarisch, der Podcast, in dem wir über Solidarität und Utopien im Literaturbetrieb sprechen. Es geht heute um das Thema Care-Arbeit. Ich moderiere zusammen mit Zara Zerbe, freier Autorin aus Kiel. Zara: Ja, ich moderiere zusammen mit Dara Brexendorf, ebenfalls freier Autorin aus Kiel. Genau, wir grüßen außerdem unsere Mit-Podcasterin Hatice Acikgöz, die gerade nicht mal auf unserem Kontinent sondern in Iowa in den Vereinigten Staaten sitzt. Und dementsprechend heute nicht mitmoderiert.

Dara Und außerdem sitzen wir mit zwei tollen Gästinnen hier, mit denen wir: über Care-Arbeit sprechen werden. Und zwar einmal Julia Ditschke. Julia Ditschke arbeitet als freie Lektorin und Autorin, lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Sie ist Teil der Gruppe Other Writers Need to Concentrate und hat letztes Jahr gemeinsam mit der Hamburger Behörde für Kultur und Medien das Stipendium Parents and Arts ins Leben gerufen. Und ich sage das jetzt noch dazu, weil ihr das so schön auf eurem Blog Other Writers Need to Concentrate auch geschrieben habt, wie viele Kinder ihr habt. Julia Ditschke hat ein Kind. Zara: Wir machen direkt weiter mit unserem zweiten Gast. Sebastian Schmidt hat drei Kinder, schreibt Poser, Lyrik, Essays und Rezensionen verdient daneben, wie ich gelesen habe, sein Geld mit Unterrichtenden Hat in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht, ist auch Teil von Other Writers und lebt in Würzburg.

Dara Wir haben gerade schon gesagt, ihr habt auch Kinder zu betreuen. Deswegen einmal die Eingangsfrage, wie seid: ihr heute da? Von wo seid ihr da? Musstet ihr euch den Termin freischaufeln? Sebastian, du hast es vorhin schon gesagt, dass du dir eine Freistunde genommen hast. Sebastian: Ja, genau. Also erstmal herzlichen Dank, dass ich Gast sein darf bei euch. Und das stimmt, ich habe mir es organisiert dass mein Kind mit meiner Partnerin unterwegs ist, weil eigentlich meine Betreuungszeit jetzt wäre. Aber genau, wir müssen uns da einfach organisieren und ein bisschen hin und her schieben. Und so hat das heute geklappt. Julia: Julia, wie war dein Tag bisher? Ja erstmal auch. Ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein darf. Mein Tag ist heute so, mein Kind ist aus der Schule wiedergekommen und ist ja zum Glück zum Glück sage ich wirklich schon zwölf Dadurch ist das alles nicht mehr so ganz relevant. Da kann man locker mal sagen, ja, jetzt die nächsten zwei Stunden bitte nicht stören.

Und man hat auch gute Hoffnung, dass er auch wirklich nicht stört. Es kann natürlich sein, dass er alles vergisst und reingerannt kommt: und irgendwie, was weiß ich Krach macht. Aber ich bin ganz guter Hoffnung. Doch, doch. Das ist wirklich schon ein großer Unterschied zu einem Kleinkind-Dasein. Wie alt sind denn deine Kinder, Sebastian? Sebastian: Die Kleine ist vier und die beiden Großen, die habe ich jetzt gar nicht erwähnt weil die wirklich auch leise sein können. Und genau, die sind 15 und 13. Zara: Da kommen die ja schon eher in das Alter, wo sie mit ihren Eltern nichts mehr zu tun haben wollen, oder? Sebastian: Ja. Dara: Gucken wir mal, was noch so passiert in der Folge, wenn wir noch kennenlernen. Vielleicht können wir dazu sagen, dass Zara und ich, wir haben beide keine Kinder. Zara, du hast einen Hund, der könnte mal reinlaufen. Zara: Ja, der hört manchmal die Ohren. Also, er schüttelt sich gerne auf Aufnahmen. Dara: Wir stellen aber dafür neugierige Fragen heute. Und es ist ja so dass ihr euch eigentlich über dieses Thema auch kennengelernt habt.

Es gibt nämlich einen gemeinsamen: Nenner bei euch Ihr seid beide Teil des Blogs oder der Gruppe Other Writers Need to Concentrate. Eine Gruppe die sich mit dem Thema Kehrarbeit und Schreiben im Literaturbetrieb auseinandersetzt Wollt ihr vielleicht am Anfang einfach mal erzählen, was es damit auf sich hat? Sebastian: Möchtest du, Julia, soll ich? Mach du Dara: mal. Sebastian: Okay. Ja, die Other Writers, das ist ein Netzwerk gegründet 2020 von David Blum, Katharina Bendixen und Sibylla Fritsch-Hausmann. Ein Netzwerk eben für AutorInnen, von AutorInnen, die Sorgearbeit verrichten und eben dadurch im Literaturbetrieb erheblichen Nachteil erfahren. Im Speziellen sind das eben Stipendien, Residenzstipendien, aber auch Altersgrenzen oder eben Zeit und Zeitmanagement Genau, das ist so die Kurzfassung vielleicht erst mal.

Zara Wie seid ihr denn da eigentlich reingekommen? Also wart ihr von Anfang: an dabei oder seid ihr später reingerutscht? Ich Julia: bin noch gar nicht so lange Mitglied bei den Other Writers. Bei mir ich kam quasi auf einen Umweg da rein. Ich habe mich ebenfalls schon lange... Ich sage mal benachteiligt gefühlt weil ich als Mutter, die eben Sorgearbeit leistet diese Stipendien, diese Residenzstipendien die sich die oft einen Monat oder drei Monate oder ein Jahr dauern nicht wahrnehmen kann und es auch keine, sage ich mal, Alternativmöglichkeiten gibt, dass man sagt, ich reise nur zwei Wochen an oder ich bringe mein Kind mit oder so.

Und habe mich da lange schon drüber geärgert und dann kam Corona. Und der erste Lockdown 2020 war so, dass ich eben gar nicht mehr schriftstellerisch tätig sein konnte, weil die Dreifachbelastung, die wir ja oft haben, Kehrarbeitende, SchriftstellerInnen dass wir eben Lohnarbeit: leisten und Kehrarbeit und eben künstlerische Arbeit, Die war, wenn das Kind dann plötzlich immer zu Hause ist, einfach gar nicht mehr zu stemmen und dann fällt halt die künstlerische Arbeit hinten über. Und dazu kam eben noch dieses Homeschooling, also dass man auch noch unterrichten muss zu Hause. Mein Sohn war damals in der ersten Klasse und da war ich plötzlich dafür zuständig über Monate, dass er lesen kann und so weiter. Und als dann der zweite Lockdown kam, der sich sehr ähnlich gestaltete, 2021, und ich mich gerade wieder so ein bisschen schreibend aufgerappelt habe, ging es wieder los.

Und ich habe dann eben auch wahrgenommen, dass viele Autorinnen, sage ich jetzt mal explizit oder eben Autorinnen ohne Kinder, dass die plötzlich im Lockdown besonders viel Zeit hatten natürlich, weil nichts anderes mehr stattfand. Die hatten ganz viel Ruhe. Und dann haben wir... Ja,: Er hat mir die auch noch erzählt. Ja, und dann fahre ich wenn der Lockdown vorbei ist, auch noch zu diesem und jenem Aufenthaltsstipendium und kann dann meinen ruhigen Flow weiter fortsetzen. Und da habe ich gedacht, also entweder werde ich jetzt bitter, weil ich mich so ausgegrenzt fühle und so benachteiligt fühle oder ich muss was tun. Und habe dann, das war im Januar 2021, das war sozusagen mein erster Ansatz die Hamburger Kulturbehörde angeschrieben, weil ich da zu der Literaturreferentin Antje Flemming einen ganz guten Draht hatte, weil ich kurz davor in der Jury der Hamburger Literaturpreise mitgewirkt habe. Und daraufhin hat sich das eben alles entsponnen.

Das erzähle ich gleich gerne nochmal weiter. Aber über diesen Umweg bin ich auf die Other Writers auch gestoßen Auf diese Vereinigung, von der Sebastian gerade gesprochen hat, weil die sich natürlich sehr stark dafür einsetzen. Und da erschien es mir einfach sehr sinnvoll sich damit zu: vernetzen Dara: Der Titel Other Writers Need to Concentrate bezieht sich doch auch direkt auf eine Absage von einem Stipendium, wenn ich es richtig verstanden habe, oder? Sebastian: Genau, also eine der Mitgründerinnen, Katharina Bendixen hatte sich damals beworben auf ein Stipendium und hat die Absage bekommen mit der Begründung Sorry, it's not possible, but other writers need to concentrate on their own. So ähnlich. Und ja, also das sagt eben auch schon viel darüber aus, welche Problematik besteht. Genau, und das war dann titelgebend eben dafür. Julia: Also einmal kurz einhakend, die Absage bekommen heißt, die Absage bekommen, wenn ich das richtig verstanden habe, zu einem bereits zugesagten Aufenthaltsstipendium Kinder mitbringen zu können. Also sie wollte ihre Kinder mitbringen. Das ging nicht, weil andere schreiben, dass ich eben konzentriere.

Nein: müssen. Zara: Das ist ja auch so frech, weil als ob schreibende Eltern sich nicht konzentrieren müssten. Habt denn auch solche Dara: Erfahrungen gemacht? Genau wir können ja mal ganz vorne anfangen. Ich habe das Gefühl, es geht erstmal viel um die Schreibrealität, die irgendwie in diesen Stipendien da sehr sichtbar wird, dass das Schreiben und Care-Arbeiten nicht mitgedacht werden oder gar nicht gesehen werden. Was sind da so eure Erfahrungen gewesen?

Sebastian Also die eigene Erfahrung von mir ist, dass ich tatsächlich mich gerade so gut wie gar nicht auf Residenzstipendien bewerbe aus eben den Gründen die Julia gerade schon genannt hat. Also ich habe noch einen Brotjob, den ich einfach auch benötige um drei Kinder zu versorgen mit zu versorgen und: den ich eben nicht einfach mal für drei Monate verlassen kann. Das heißt, die Möglichkeit, Residenzstipendien wahrzunehmen, ist nur gegeben, wenn die Zeiträume eben sehr kurz sind, beziehungsweise wenn ich es möglich machen kann, zum einen eben den Brotjob so lange sein lassen zu können und selbstverständlich eben auch, weil es sehr unrealistisch ist. Und meine Kinder alleine in anderer Betreuung zu lassen, so lange, das ist einfach nicht möglich.

Dazu kommt, selbst wenn das ginge, ist es mit einem hohen Pendelaufwand verbunden. Also ich müsste sehr viel pendeln, wenn ich jetzt nicht drei Monate am Stück wirklich weg sein wollte oder es ist ja oft sogar noch länger. Genauso, dass für mich Stipendien, eigentlich Residenzstipendien nur in Frage kommen, wenn sie relativ kurz sind und eben das: ermöglichen vielleicht entweder, dass ich ein Kind mir nehmen könnte. Genau, und so schränkt sich die Auswahl sehr ein. Zara: Ja, und die liegen ja wahrscheinlich auch immer gar nicht unbedingt in den Schulferien weil ihr habt ja auch beide ältere Kinder, die dann einfach an Sommerferien und solche Dinge gebunden sind. Wir Dara: haben auch vorhin gesprochen, selbst als kinderlose Personen sind manchmal diese Stipendien so... Realitätsfremd ausgeschrieben, dass man sich fragt, wer kann sich dann überhaupt darauf bewerben und einfach mal ein paar Monate willkürlich irgendwann raus aus seinem Leben. Also dafür braucht man schon eine besondere Lebensphase. Und wenn man sich dann noch vorstellt dass man auch noch Kinder zu betreuen hat und hauptverantwortlich für andere Personen ist, die auch in ein System eingebunden sind, ja, stelle ich mir sehr schwierig vor.

Julia Ja, mir geht es da auch wie: Sebastian. Also ich habe mich im Grunde auch gar nicht beworben weil ich schon im Vorfeld die Konditionen natürlich abgecheckt habe und gesehen habe, es geht nicht. Teilweise würde ich das jetzt gerne ändern, also mich doch häufiger bewerben einfach um auf diesen Missstand auch aufmerksam zu machen. Also wenn ich das nicht richtig sehe, hat sich Katharina Bendixen auch als vielleicht politisches Statement häufiger beworben und eben mit reingeschrieben, dies und das bräuchte ich, hat, wenn ich es richtig verstanden, aber auch hier und da mal geklappt. Und ich glaube, sie ist nach Dresden als Stadtschreiberin gefahren und konnte da ihre Kinder zum Teil mitnehmen. Also ich glaube, man muss da vielleicht auch zum Teil einfach was wagen und immer wieder das ins Bewusstsein rücken. Und ich glaube, es haben sich auch insofern schon Winzigkeiten will ich sagen, getan, wie zum Beispiel, dass das Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop, das bietet inzwischen auch 14-tägige Stipendien an.

Oder das Künstlerhaus in Lauenburg, das bietet explizit ein: Stipendium mit Kind an, also ein reines Arbeitsstipendium ohne Residenzpflicht, aber mit Residenzmöglichkeit wenn man es zwischendurch mal in Anspruch nehmen will. Also da tut sich was und ich glaube es tut sich auch deshalb was, weil Menschen sich bewerben. Und damit eben Eben etwas ausdrücken ein Missstand Zara: Ja, und es wird ja jetzt zum Beispiel durch eure Arbeit wird es ja auch viel sichtbarer in den sozialen Medien. Habt ihr das Gefühl, dass das jetzt seit Corona vielleicht lauter geworden ist, weil da auch einfach mehr Missstände aufgeploppt sind? Oder wie war die Bewegung vorher?

Sebastian Also ich habe das Gefühl, mit Corona hat das sicherlich zu tun, weil genau das, was Julia vorhin beschrieben hat. Und man sitzt in der Wohnung mit Kindern, man hat eigentlich sehr, sehr wenig Zeit bis gar keine Zeit mehr. Das bringt natürlich Wallung auch mit sich irgendwie. Ja, ich denke, man muss das vielleicht auch eingebettet betrachten in anderen Prozesse, dass: der Literaturbetrieb generell Glaube ich immer stärker von dem aufgefordert wird, was er eigentlich produziert, nämlich Stimmen, identitätspolitische Stimmen auch selbst umzusetzen sozusagen. Also ich denke auch inhaltlich eben verändert sich die Literatur, die eben auf den Markt kommt. Und das wirft seinen Schatten dann mehr oder weniger auf den Literaturbetrieb auch. Also dann sieht man eben, dass der Literaturbetrieb das eben gar nicht ist, was er aber letzten Endes ja produziert oder was die Verlage produzieren, die Autoren. Und ich denke, das spielt auch eine Rolle, dass da immer mehr Wind aufkommt und immer mehr Augen drauf schauen, okay, was macht eigentlich der Betrieb und vielleicht ein kleiner Zugzwang auch entsteht.

Julia Ja, also ich denke auch, dass da auf jeden Fall etwas passiert ist in den letzten zehn Jahren Ich denke, das liegt auch daran, dass es überhaupt die sozialen: Medien gibt. Die ganzen unterschiedlichen feministischen Stimmen eben auch lauter werden. Es war ja, ich zitiere das immer gerne, auch wenn es unschön ist, dass noch Anfang der 2000er der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranitzky gesagt hat zu Judith Herrmann, wenn sie Kinder bekäme, sei es mit dem Schreiben vorbei. Und da hatte eben noch so jemand die Großmacht, das Narrativ, also in der Hand. Und ich denke, dadurch, dass viel mehr Menschen jetzt online partizipieren können, verändert sich da auch was. Nur das finde ich auch ganz wichtig zu sagen, es ist gar nicht so viel. Also ich lese das öfter mal in Zeitungen, also zum Beispiel zuletzt in der Süddeutschen, aber auch vorher in der Zeit, dass es heißt, der Kanon sei jetzt weiblich oder Romane von Frauen übernehmen das Ruder als wäre es sozusagen tatsächlich schon längst geschafft.

Als müsste man sich als Mann inzwischen warm anziehen. Und ich finde das immer: ganz interessant. Ich habe mal eine Studie gelesen, dass wenn eine Frau in einem Gespräch einen Redeanteil von einem Drittel hat, dann nimmt der Mann es in der Regel so wahr, als hätte sie mehr geredet als er. Und im Endeffekt redet er ja immer noch zwei Drittel. Und ich glaube, so ist das auch ein Stück weit im Literaturbetrieb in der Produktion Also wenn man die Verlagsprogramme durchzählt ist es ja immer noch so, dass 70 Prozent der veröffentlichten Titel roundabout von Männern geschrieben werden und eben nur 30 von Frauen, was viel mehr ist als vor 10, 15, 20 Jahren. Aber es ist immer noch nicht sehr viel. Und ich glaube, dass wir deshalb an den Produktionsmöglichkeiten eben ansetzen müssen. Und da sind Stipendien oder andere Förderungen für Männer Menschen, die... Die Care-Arbeit leisten, was nun ein sehr großer Anteil ist und ein sehr großer Anteil auch an Stimmen, die sonst eben sehr wenig vorkommen.

Genau, wir müssen: bei der Produktion ansetzen und da eben was verändern. Ich habe auch gerade gedacht, Dara: dieses Bild des Schriftstellers bewusst nicht gegendert oder beziehungsweise im männlichen, generischen Maskulin ist ja irgendwie, also es hängt glaube ich immer noch so nach, dass man wirklich so den ganzen Tag schreibt und eigentlich Care-Arbeit für den Schriftsteller geleistet wird, um ihm Zeit zu schaffen und zu schreiben, was ja eigentlich in den wenigsten Fällen Realität ist aktuell.

Da habe auch gerade drüber nachgedacht, dass das auch schön ist, dass Leute über ihre Schreibrealität sprechen und laut sind und nicht mehr nur in ihren Bios auch teilweise, ich meine es ist immer noch so, es wird irgendwie immer noch, es wird immer noch so, Aber dass darüber hinaus auch über Lohnarbeit gesprochen wird, über Care-Arbeit gesprochen wird, über die Zeit, die einem eigentlich zur Verfügung steht, die dann gar nicht so viel ist und sehr deutlich von diesem: Bild abweicht. Ihr nickt auf jeden Fall. Wir haben uns nämlich vorhin auch die Frage gestellt, wie ist denn eure Schreibrealität eigentlich, wenn ihr jetzt nicht in einer Parents-in-Arts-Residency seid, worüber wir gleich noch sprechen wollen. Sebastian: Ja, bei mir sieht es tatsächlich so aus. Ich habe feste Zeiten, an denen ich schreibe oder Tage, an denen ich die Lohnarbeit nicht verrichte die reserviert sind zum Schreiben. Auch nachmittags gibt es feste Zeiten. Wenn ich Termine habe, muss man die natürlich sehr früh kommunizieren und abklären und gucken, ob sie funktionieren, ob sie im Alltag mit Kindern funktionieren. Genau. Ich glaube, was das Schreiben selbst betrifft habe ich ein bisschen gelernt, schneller wieder an den Text zu kommen und auch schneller davon wieder wegzugehen.

Und das sind definitiv: Skills, die man irgendwie erwirbt als Eltern, behaupte ich mal, dass man sich sehr schnell wieder darauf einlassen muss und dann auch kann, auf das, was man schreibt, weil sich dann doch immer wieder mal ein halbes Stündchen auftut oder hier plötzlich zwei Stunden da sind, weil das Kind zum Beispiel sich doch mit einem Nachbarskind verabredet hat und man sich denkt, okay, die Zeit nutze ich. Was auch Realität ist, glaube ich, dass man sich lernt besser zu organisieren, jedenfalls mit Kindern. Das gilt wahrscheinlich auch natürlich für Pflegeangehörige. Das wollte ich an dieser Stelle auch nochmal sagen, dass die Other Writers nicht nur für Eltern da sind, sondern tatsächlich für alle sorgenden oder Care-Arbeit leistenden AutorInnen.

Genau. Und so glaube ich einfach, dass man das lernt also dass man da reinwächst auch in diese Rolle. Ja, also das ist, glaube ich der Alltag, der das so ein bisschen bei mir: jedenfalls, so sieht der aus. Julia: Ja, bei mir ist der Alltag ganz ähnlich, wie du das beschrieben hast, Sebastian. Ich schreibe auch, also sagen wir mal so, mein Muttersein, auch wenn ich das eigentlich gar nicht früher weiß Also wahrhaben wollte, steht einfach an erster Stelle. Alles andere gruppiert sich irgendwie da rum und ist eingetaktet Und ich habe mich lange innerlich auch gegen diese Eintaktung gewehrt, weil sie eigentlich wahrscheinlich auch von dem Bild, dass wir so von Autoren haben, gar nicht passt. Aber inzwischen ist es wie du auch sagst Sebastian, kann ich daraus auch einen Gewinn ziehen, dass ich eben, ich kann mich hinsetzen und bin drin.

Also ich brauche natürlich nicht immer, aber ich brauche viel weniger Anlaufzeit und ich kann auch danach umschalten. Und das war auch etwas, was ich auch erst lernen musste, gerade dieses danach wieder rauszugehen es nicht als Störung zu begreifen, sondern wirklich zu sagen das wegzulegen in meinem Kopf, was ich da gerade mache und geschrieben habe: und wieder voll da zu sein als Mutter. Und ich glaube auf jeden Fall, dass das ein Skill ist, der einem auch in anderen Momenten hilft, dass man einfach sehr gut organisiert organisiert ist zwangsläufig. Sebastian: Julia, darf ich auch Fragen stellen? Entschuldigung. Zara: Ja, stell auch. Klar. Sebastian: Julia, ist es bei dir würdest du sagen, dass sich die Form deiner Texte geändert hat mit dem Elternsein? Julia: Ja, unbedingt. Das finde ich auch eine ganz wichtige Frage und da hätte ich auch überhaupt sowieso noch drüber sprechen wollen. Ich finde, wir sind ja auch alle so an dem, sage ich mal, großen Roman, der einen schönen großen, weiten narrativen Bogen baut. Ich nehme jetzt mal die Great American Novel so als das Bild, das wir alle haben, wo die amerikanische Nation irgendwie abgebildet wird.

Also dieses Bild einer weiten Narration, einer beherrschbaren Narration, das haben wir ja alles im: Kopf oder internalisiert Ganz tief empfinden wir auch als Qualität irgendwo. Und wenn dann so, ich nenne es mal, so kleine zerrissene Formen daherkommen, dass sogar bei mir selbst merke ich, Jetzt bin ich da inzwischen schon ein bisschen drüber, aber so von meiner Prägung merke ich, dass ich das irgendwie weniger wertvoll finde. Da muss ich mich sehr bewusst von frei machen, weil ich eben selber merke, ich kann keinen großen, narrativen Bogen mehr bauen. Das liegt einmal an wahrscheinlich der zerstückelten Zeit, die ich habe, aber auch an meinem zerstückelten Ich, das ich habe. Also das passt gar nicht mehr zu mir, dass ich da sowas Großes baue, sondern ich muss eine Form finden, die dieses Fragmentierte abbildet Und die Suche nach einer Form, die zu meinem Muttersein passt, das hat für mich sehr viel Zeit in Anspruch genommen.

Und ich habe auch, das fand ich auch wieder so sprechend und das bildet es eigentlich ab, wie es ist: bei uns immer noch in der Gesellschaft Ich bin ein großer Fan der britischen Bildhauerin Barbara Hepworth. Die ist inzwischen verstorben. Und es gab vor kurzem in Duisburg eine, oder vor kurzem vor ein, zwei Jahren in Duisburg eine Retrospektive. Und dann habe ich im Deutschlandfunk, glaube ich, war das, vielleicht war es auch im WDR, eine Rezension, eine weibliche Rezensentin hat dann zu dieser Ausstellung gesprochen und hat gesagt, schön und gut, aber die Exponate von Barbara Hepworth blieben doch sehr im kleinen, organischen, letztlich weiblichen Stecken.

Und ich hatte eine innere, habe mich innerlich dagegen gewehrt gegen diese Aussage. Aber ich muss auch sagen, es ist eine Empfindung, die man, glaube ich, wenn man wie wir patriarchal geprägt ist, die man total schnell hat einfach. Und wo wir uns immer wieder daneben stellen müssen. Und ich habe das auch in meiner Jury-Tätigkeit bei den Hamburger Literaturpreisen, aber auch bei: Parents in Arts gemerkt, dass ich mich selbst immer wieder daneben stellen muss und das, was ich als wertvoll erachte, nochmal hinterfragen muss, warum ich das eigentlich als wertvoll erachte. Und ja, mein Schreiben hat sich definitiv sehr, sehr stark geändert. Und es ist auch so, dass ich sehr lange jetzt schon seit, ich glaube seit 2020, schreibe ich jetzt an einem Roman. Und nicht zuletzt weil ich nach einer Form gesucht habe, die das abbildet was ich lebe, hat es so lange gedauert oder dauert es so lange. Bei dir, Sebastian?

Sebastian Ganz ähnlich, wirklich. Ich meine, ich schreibe ohnehin gerne Lyrik und lyrische Formen was dem sowieso sehr entgegenkommt. Also man hat relativ kurze Textformen ja ohnehin. Aber auch in der Prosa, die ich schreibe, habe ich einfach gemerkt dass in den letzten Jahren allein schon optisch, also sie wirklich, man könnte: sagen, kleiner wird und kürzer wird. In kleinere Formen kleinere Blöcke gerät. Und ja, ich kann das eins zu eins nachvollziehen was du berichtest. Es ist bei mir ganz ähnlich, dass sich die Form geändert hat von langen Bogen spannenden Texten im Hinzug zu kürzeren Formen oder auch in einzelnen Szenen mehr zu erzählen als im großen, langen und das vielleicht dann eher zu gucken im Nachhinein. Okay, wie passt das zusammen? Wie kann ich es vielleicht zusammensetzen? Oder gehört das überhaupt zusammen? Das

Zara sind ja total interessante Punkte, die ihr da gerade aufbringt mit sehr aktuellem Bezug weil gerade sehr viel über den Deutschen Buchpreis diskutiert wurde. Und ich da auf jeden Fall mindestens ein, wirklich unsäglichen Artikel gelesen habe von einem Autor im Freitag der gesagt hat, dass es ja schon gut gewesen wäre, wenn Clemens Mayer mit seinem Tausend-Seiten-Schinken das gewonnen hätte, weil der Zitat in das Herz der Finsternis geguckt hätte auf: seinen Tausend Seiten. Was ja natürlich schon für so ein Riesen-Narrativ spricht und dass das bei Martina Hefter ja irgendwie so kurz und autofiktional gewesen wäre und Also ich habe jetzt gerade am Wochenende das Buch von Martina Hefter gelesen, wo es ja auch unter anderem darum geht, dass sie halt ihren erkrankten Mann pflegt und die Form ist ja auch eigentlich sehr reduziert und ich fand es total schön, das zu lesen weil es einfach nicht diese patriarchale Wuchtigkeit hatte und ja trotzdem irgendwie wirklich aus einem anderen Blickwinkel eigentlich in das sogenannte Herz der Finsternis geblickt hat. Und ich würde mich ehrlich gesagt freuen, wenn es noch viel mehr solche Formen gäbe, die irgendwie viel Aufmerksamkeit bekommen. Total. Ich habe auch Dara: gerade gedacht, also das Schreiben ist das eine, vielleicht gibt es aber auch den Match beim Lesen Also weil jetzt gerade bei der Clemens Meyer und Martina Hefter Geschichte, also ich würde zum Beispiel keinen Roman lesen, der immer drei Seiten hat, da habe ich Angst vor.

Ist das bei euch auch so?: Also deckt sich da auch das Lesen ein bisschen mit? Im Schreiben, dass man da auch vielleicht zu kürzeren Julia: Formen greift? Ja, also ich lese auf jeden Fall mehr Lyrik seit ich Mutter bin. Und ich verstehe auch immer nicht, warum zum Beispiel Kurzgeschichten in Deutschland überhaupt kein Genre sind, das sich irgendwie verkauft. Wobei ich glaube, es würde sich sogar verkaufen, aber Verlage nehmen es nicht ins Programm. Also das ist mir völlig unverständlich weil die Lesegewohnheiten haben sich ja eben auch durch das Internet so verändert, dass die Leute ja sich sehr schwer tun, lange Texte zu lesen und das sich vielleicht als Prestigedingen dann noch hinstellen. Aber wer es wirklich von vorne bis hinten durchliest, das sind gar nicht so viele. Und ich glaube, Menschen, die Care-Arbeit leisten, sind es eben noch weniger, weil die einfach gar nicht die haben hier mal 20 Minuten und da mal 20 Minuten. Da braucht man Jahre um sowas durchzuackern. Ja, das hat sich auf jeden Fall geändert, würde ich auch sagen, ja.

Sebastian: Ja, bei mir. Ich weiß immer nicht, ob es durch mein Internetverhalten oder durch mein Elternsein kommt. Also ich möchte jetzt gar keinen Finger irgendwo drauflegen. Aber ja, es geht mir ähnlich wie Dara, glaube ich. Ich habe im Urlaub für immer die Alpen gelesen noch von Benjamin Quaderer. Das war, glaube ich, das dickste Buch. Ansonsten bin ich auch eher bei kürzeren Romanen bei Lyrik, bei Prosa-Texten. Genau, like that. Dara: Wo wir gerade schon beim Schreiben sind, weil vorhin schon aufkam, Julia, du hattest das gesagt, dass so zum Beispiel das Thema Mutterschaft in der Literatur auch mehr verhandelt wird. Wir haben uns vorhin gefragt, wie sieht es eigentlich bei dem Thema Vaterschaft aus? Also Sebastian, hat sich da dein Schreiben auch verändert oder auch dein Leseverhalten oder kannst du da Eindrücke teilen? Mein Sebastian: eigenes meint ihr?

Dara Ja, genau. Aber vielleicht auch dein Eindruck Dein Eindruck, gibt es da überhaupt viel?: Sebastian: Mein eigenes Schreiben. Also meint ihr, ob das Vatersein in meinem Schreiben wieder Klang findet, sozusagen? War das die Frage? Beispiel, ja. Also genau, Dara: weil vorhin ging es ja darum, dass auch zum Beispiel Mutterschaft ein Thema auch inhaltlich in der Literatur sein kann und vielleicht auch mehr Raum hat jetzt. Wie ist es generell bei dem Thema Vaterschaft für dich selber, aber auch für die Literatur die du so wahrnimmst Sebastian: Ja, für mich selber ist es so, dass auf jeden Fall mein Vatersein immer wieder in der Lyrik auftaucht.

Genau, also Adrian Kassnitz, mein Verleger meinte neulich auch, dass er das spannend findet, dass es immer wieder Gedichte gibt, in denen zum Beispiel die Wörter meiner Kinder auftauchen oder eben das Verhältnis zu meinen Kindern auftaucht Das findet dort definitiv wieder, auch dass mir einfach Geschichten passieren oder: widerfahren. Das ist mal meine Erfahrungswelt bestimmt, die Kinder, und das findet definitiv Anklang in meiner Literatur und in meinem Schreiben. Ja, zum Thema Vaterschaft in der deutschsprachigen Literatur. Ein sehr großes Thema, wo ich mit Clemens Böckmann ziemlich viel schon drüber nachgedacht habe und wie wir auch eine Maternal Nines neulich zu hatten. Also das sind... Die Veranstaltung der Other Writers eben zu bestimmten Themen. Da ist es ja eben so, dass es sehr viel Väterliteratur gibt. Also es gibt Literatur-Omas, die sich mit dem Sohnsein, also Aussicht von Söhnen und Töchtern mit den eigenen Vätern auseinandersetzt. Meistens dann eben Väter, die im Krieg waren, entweder das oder einen Migrationshintergrund haben und man sich damit auseinandersetzt, daran abarbeitet und eben eine Vaterfigur sucht.

Aber dass es eben sehr, sehr wenig Vaterfiguren in der aktuellen deutschsprachigen Literatur aus Sicht der: Väter gibt. Und dass das nach wie vor eigentlich eine große Leerstelle ist. Es gibt ein paar Werke und ein paar Schriftsteller, die sich damit auseinandersetzen, definitiv Aber es ist im Vergleich zur Literatur, die das Muttersein eben darstellt und nach meinem Dafürhalten eine große Lücke da, definitiv. Und das liegt natürlich zum einen an der Lebensrealität, also an den Vorbildern, die noch fehlen zum anderen auch an literarischen Vorbildern vielleicht. Zara: Was mir immer einfällt zum Thema Mutterschaft oder Elternschaft in der Literatur ist ein Zitat, das ich ehrlich gesagt im Nachhinein immer nicht mehr ganz einordnen kann.

Ich glaube, das war während des ersten Lockdowns, habe ich mal ein Radiofeature gehört oder einen Artikel gelesen zum Thema Mutterschaft in der Literatur. Und da hat eine Autorin, ich glaube es war Berit Glanz aber es kann auch jemand anders gewesen sein, gesagt, dass sie manchmal ihre Kinder mit ihren Büchern und ihre Bücher mit ihren Kindern: verwechselt Was ich kurios fand und würde gerne wissen, ist euch sowas auch schon passiert? Also das ist Julia: natürlich etwas überpointiert wahrscheinlich. Aber was ich merke, also ich glaube, so ist es nicht. Also zumindest bei mir ist es so nicht. Aber was ich schon merke, ich schreibe über ein Kind im Moment, das heißt Till. So heißt mein Sohn nicht. Und dass ich manchmal tatsächlich zu meinem Sohn schon Till gesagt habe. Und den Namen meines Sohnes wiederum an die Stelle im Roman geschrieben habe. Also das ist kein echtes Verwechseln Aber ich sage mal so, es ist nicht so gut trennbar, wie ich das vielleicht immer gerne hätte. Oder sagen wir mal so, manchmal das Leben und Schreiben sind vielleicht manchmal gar nicht zwei Bereiche sondern geht doch irgendwie ineinander über recht nahtlos hin

Sebastian Bei mir ist mit Situationen so, also dass ich Situationen: schreibe, in denen Kinder vorkommen und dann nochmal beim Wiederlesen ganz scharf nachdenken muss darüber, ob das jetzt eine reelle Situation gewesen ist oder ob ich die wirklich nur mir ausgedacht habe. Und das Auseinanderklamüseln manchmal auch nicht so einfach ist tatsächlich. Aber in der Regel versuche ich immer natürlich den Alltag zu fiktionalisieren, auch aus Schutz heraus. Aber nichtsdestotrotz klar, gibt es immer wieder Kleinigkeiten oder Dinge, die man aus seinem Alltag da hineinschreibt, vielleicht manchmal auch unbewusst. Also ja, dann kann ich gewisserweise nachvollziehen vielleicht diesen Satz dann. Julia: Aber das mit den Situationen finde ich interessant. Dass du dich da nicht erinnern kannst, ob das jetzt wirklich gewesen ist oder ob du es eben schriftlich erfunden hast, weil das kenne ich auch ganz stark. Es ist ja auch ein Stück so mit Fotos die man aus der Kindheit anguckt, dass man irgendwann meint man hätte das erlebt.

Also man erinnert sich wirklich noch: daran. Also erlebt hat man es ja vielleicht, aber man erinnert sich vielleicht noch wirklich daran. Dabei hat man es nur hundertmal auf Fotos gesehen. Und ich finde, das mit Erinnerung ist sowieso ganz seltsam. Zara: Habt ihr denn eigentlich, also wir haben ja schon über Formen gesprochen. Habt ihr denn eigentlich auch neue Themen? Also natürlich habt ihr neue Themen mit eurer Elternschaft dazu bekommen ins Schreiben. Aber gibt es auch Themen, die ihr seitdem vielleicht ganz anders betrachtet? Julia: Ich glaube, dass ich wahrscheinlich alle Themen ganz anders betrachte. Also alles, was mit Männern und Frauen zusammenhängt, alles, was mit Marginalisierung zusammenhängt.

Also ich denke, durch dieses Gefühl, ausgegrenzt zu sein bei zum Beispiel den Stipendien Habe ich einen ganz anderen Blick auf jedwede Form von Ausgrenzung und Marginalisierung bekommen. Ich sage mal ein Beispiel, wenn ein: Haus nicht barrierefrei gestaltet ist, jemand nicht mit dem Rollstuhl reinkommt, dann ist das so ein Gefühl vorher gewesen von, das ist die Norm und okay, dann der Zusatz wäre, die Rampe zu bauen. Das wäre irgendwie etwas, was außerhalb der Norm steht. Und dass aber diese vermeintliche Norm, die wir so erleben in allen möglichen Erzählungen und in allem, dass die so oft ausgrenzend ist. Also ich glaube, das habe ich durchs Muttersein und nicht nur dadurch, dass ich bei den Stipendien ausgegrenzt wurde, sondern auch, dass so bestimmte feste Bilder von Mutterschaft bestehen die ich gar nicht Gar nicht nachfühlen kann und die ja auch ein Narrativ sind, mit dem ich mich dauernd auseinandersetzen muss, weil ich irgendwie das Gefühl habe, ich stehe neben diesem Narrativ.

Dass beispielsweise Frauen, wenn sie Mutter werden, qua Natur sofort fürsorglich werden und sofort: voller Liebe in ihrem Muttersein aufgehen. Dass ich viele, viele Dinge, die ich, glaube ich, so gekauft habe früher und gar nicht gemerkt habe, was die eigentlich machen, dass ich die jetzt anders hinterfrage und sehen kann. Sebastian: Also bei mir ist es, dass ich Engagement anders betrachte, glaube ich wenn ich weiß, okay, diese Personen engagieren sich für welche Dinge auch immer und weiß, dass da Sorgearbeit im Hintergrund steckt und dass ich das einfach vorher gar nicht auf dem Schirm hatte und gesehen hatte und weiß, was das bedeutet noch zusätzlich.

Wie gesagt, jedes Engagement... Zum anderen, das ist auch eine Sache, die Berit Glanz mal gesagt hat, nämlich, dass Dinge wie Alltag oder Dinge, die im Alltag passieren, immer ein schlechtes Image haben eigentlich, dass aber auch alltägliche Dinge sehr erfüllend sein können. Und das Alltag nicht nur bedeutet Langeweile Wiederholung und Trott, sondern eben auch etwas: Ausfüllendes, etwas Positives, Schönes sein kann. Und nicht unbedingt eben direkt am Kind sein, sondern eben, keine Ahnung, kochen, Tisch decken, Brot schmieren, solche Sachen eben. Genau, also das sind zwei Dinge, die sich da verändert haben, denke ich, in meiner Draufsicht. Dara: Stichwort Engagement und Alltag. Wir würden super gerne noch... ...über das Parents and Arts Stipendium sprechen. Ihr als Gruppe tauscht euch aus. Julia, du hast dich mit dem Thema sehr beschäftigt. Es fehlt auch schon das Wort Ausgrenzung. Was genau macht das Parents in Art Stipendium anders und wie verändert es die Sicht auf oder welche Empathie bringt es vielleicht auch mit für den Alltag von Schreibenden mit Care-Arbeit?

Julia Ja, wir haben uns eben, wir, das ist eine andere Autorin, Friederike Gräf, Marcia Breuer, eine bildende Künstlerin aus: Hamburg, wir haben uns eben überlegt und auch vielfach mit anderen Eltern gesprochen, was bräuchten Eltern überhaupt, um ein solches Stipendium wahrnehmen zu können und haben dann versucht, dieses Stipendium eben zusammen mit der Hamburger Kulturbehörde zu bauen, dass es eben diese Punkte abbildet. Und da zählt für uns... Und vor allen Dingen dazu, dass die Stipendiumsdauer kurz ist, also unsere Stipendien sind zwei Wochen lang, dass man... Wir haben zwei Varianten des Stipendiums. Einmal kann man sich bewerben mit Kind und einmal kann man sich bewerben ohne Kind. Und wenn man sich mit Kind bewirbt und das Kind also mitnimmt zur Stipendiumsstätte, dass das Kind dort eben auch betreut ist, sodass die Autorin eben Zeit hat, dort zu schreiben.

Und betreut heißt dann eben auch, dass ein Mittagessen gekocht wird und dass wirklich von 9 bis 18 Uhr geht die Betreuung dort, dass man dort einfach dann den: Kopf in dieser Zeit komplett frei hat, weil das Kind in einem großen Garten oder auch mit Ausflügen eben tolle Dinge erlebt. Dann ist natürlich wichtig, dass man eine halbwegs angemessene Vergütung zusätzlich bekommt, weil wenn man beispielsweise ohne Kind anreist kann es sein, dass man eben zu Hause natürlich noch Betreuungskosten hat für das Kind, das zu Hause bleibt Man muss einfach viel mehr organisieren, um sich ein oder zwei Wochen freischaufeln zu können. Ja, vielleicht noch zum Hintergrund. Also das war wirklich mega aufwendig das eben zu initiieren, weil es einfach nichts da war. Wir wussten ja auch gar nicht, wo fängt man an? Wie findet man einen Ort? Wie findet man eine Kinderbetreuung? Wo kommt das Geld her? Und je tiefer wir uns da eingearbeitet haben und durch Brandenburg gefahren sind, um irgendwelche in Frage kommenden Häuser anzugucken, desto mehr Fragen kamen eigentlich auch immer auf.

Also der Prozess dauerte: von Januar 21 bis eben Herbst ich glaube November 23, bis es ausgeschrieben war. Und wir hatten immer wieder Rückschläge, dass wir dachten, wir kriegen einfach nicht genug Geld oder ein anderer Grund, das Haus passt doch nicht, wo wir immer dachten, es gibt alles nichts mehr. Und dass es jetzt so ist, dass es jetzt in der zweiten Runde stattfindet jetzt sogar mit Verbesserungen. Wir haben natürlich nach der ersten Runde evaluiert Also wir haben die StipendiatInnen, die dort waren, mit und ohne Kind haben wir befragt was gut war, was nicht so gut war. Und es war ein großer Punkt, dass es möglicherweise zu weit von Hamburg entfernt war. Also dass man nicht, wenn jetzt was Dringendes ist, mal schnell zurück konnte, sondern es war relativ schlecht angebunden.

Und der nächste Supermarkt war auch nicht gerade fußläufig sondern man musste in einen Bus steigen, der einmal die Stunde fuhr. Es waren ein paar Dinge, die waren nicht ganz perfekt. Und dann haben wir eben aktiv nach einem neuen Haus gesucht und eins im Norden von Hamburg gefunden, das näher ist und wo: jetzt einiges besser ist. Der Supermarkt ist zum Beispiel nah. Wir haben auf die Stipendiumssumme nochmal hochgesetzt können und haben die Möglichkeit, den StipendiatInnen geben wir, dass sie jetzt... zwischen drei verschiedenen Zeiträumen wählen können, nicht nur zwei Zeiträume. Also für mich wäre jetzt, wenn ich sagen würde, was wäre noch verbesserbar, ist einmal, dass wir eben Care-Arbeit einfach breiter definieren, dass wir eben auch Menschen mit einladen sich zu bewerben die zum Beispiel einen Elternteil pflegen. Und dann wäre es natürlich noch ganz, ganz toll aber das ist, glaube ich nicht umsetzbar, dass man diesen zweiwöchigen Stipendiumsaufenthalt noch splitten kann, also dass man sagen kann, ich nehme, was weiß ich fünf Tage im März, sechs Tage im August und drei im September Das wäre sehr, sehr, sehr gut und würde sich wesentlich besser an die Lebensrealität anpassen.

Aber das hieße eben, dass das Haus immer freigehalten sein muss. Und was wir auch noch verändern könnten: oder wo man mal in der Zukunft drüber nachdenkt Denken könnte es aktuell ist es so, dass wir Eltern aufrufen die Kinder bis zum Alter von 16 Jahren haben. Aber wenn ich mir Eltern vorstelle die Kinder haben, die über 18 sind, aber vielleicht wegen einer Erkrankung oder einer Behinderung pflegebedürftig sind. Dass die sich auch noch weiter bewerben könnten. Dara: Ich möchte Wow sagen zwischendrin, weil ich das total toll finde. Und auch irgendwie, ja, es ist toll zu sehen, dass ihr so engagiert seid und weiterhin auch sozusagen, also dass ihr loslegt und dann auch euch Feedback holt und verbessert auch in dem System. Ich wünsche mir, dass das an so vielen Stellen passiert und es ist so toll, das zu hören, dass ihr das macht. Also einmal kurzer Zwischenruf Wow meinerseits.

Julia Ja, vielen Dank. Es ist natürlich, wenn man sich das mal so überlegt, zwei Wochen sind für Menschen, die keine Kinder haben, nichts. Für: unser Eins ist das unfassbar. Also ich hatte das zwölf Jahre nicht, dass ich zwei Wochen ohne mein Kind war Ja, weg war und mich ganz aufs Schreiben konzentrieren konnte. Also es ist ein Tropfen, aber ich hoffe, dass und das ist, glaube ich auch ein Anliegen, was ich hier mitgeben möchte. Ich hoffe, dass wir NachzüglerInnen finden, also dass Leute einfach mal die Fördereinrichtung ihrer Bundesländer, die Kulturbehörden, die Literaturreferate der Kulturbehörden anschreiben und sagen, guckt mal, was es in Hamburg gibt. Und wäre das nicht auch etwas für, was weiß ich, Schleswig-Holstein oder Bayern? Ich würde mich auch irgendwie ein bisschen mit engagieren, aber was kann man da machen, können wir mal ins Gespräch gehen? Also das ist ja erstmal vielleicht gar nicht so eine große Sache, so eine E-Mail zu schreiben oder vielleicht auch verschiedene Leute zu aktivieren, die von verschiedenen Ecken E-Mails schreiben, sodass die Behörden das Gefühl haben, oh, da pressiert aber was, da braut sich was zusammen. Ja, das möchte ich gerne aussprechen. Bitte bitte macht es nach.

Dara Bitte meldet euch: bei uns oder Julia Titschke oder auch bei Sebastian. Also weil das ist auch das, was wir uns immer fragen was kann man denn eigentlich machen, um solidarisch zu sein miteinander. Und ich finde es total toll, dass du das sagst. Erst mal loslegen und eine Mail schreiben oder miteinander zu sprechen, wie ihr das ja auch macht. Informationen zu sammeln, sich auszutauschen und dann einfach mal zu machen. Das ist ein mega schönes Beispiel. Wie ist denn, also da ist jetzt ja ein Jahrgang gelaufen schon. Wie ist die Resonanz oder so generell wie ist die Resonanz für das Projekt oder das Stipendium? Julia: Also es haben sich im ersten Jahr 40 Leute beworben. Und das wurde als positiv eingeschätzt also weil es neu war, weil es keiner kannte und weil man ja auch oftmals schon die Sommerferien verplant hat. Und das findet ja in den Sommerferien also in den Schulferien statt. Wir hoffen natürlich, dass das noch mehr werden, aber wir fanden das für den Einstieg erstmal ganz gut.

Und vor allen Dingen haben wir wirklich sehr viel, darüber hinaus sehr viel positive Resonanz bekommen, auch in den: Medien, regional, überregional, haben viele berichtet und interviewt. Und ich hatte schon das Gefühl, dass das einen Nerv getroffen hat. Hast du Dara: Tipps wie man das angehen kann? Oder ist da einfach, ja, die BKM in Hamburg irgendwie, gibt es mehr Julia: Geld, gibt es mehr Offenheit? Es war anfänglich so, dass sie gesagt haben, ja, wir unterstützen euch und bitte, also auch mit Rat und Tat, also wir telefonieren auch und kümmern uns, aber wir können das Geld nicht dazuschießen. Ja, also ihr müsst Stiftung finden und wir haben dann ganz viel Stiftung Stiftungen angeschrieben und gesucht und so weiter Und haben dann aber gemerkt, die sagen alle, die haben alle kein Interesse.

Und dann hat die Behörde gesagt, so okay, dann machen wir mal einen Testballon jetzt ein Jahr lang und weiß ich nicht, aus welchem Topf wir irgendwie was zusammenknapsen Wir haben auch sehr knapp kalkuliert, also ich schicke gern auch so Kalkulationen, das sage ich auch mal in die große Öffentlichkeit, ich: schicke gern Kalkulationen auch mal rum. Und wir haben sehr knapp kalkuliert für dieses Stipendium und haben dann, hat die Behörde das eben als Testballon laufen lassen. Und jetzt in diesem zweiten Jahr hat sich weil es dieses Ding schon gab, eine Stiftung eben dafür einnehmen lassen, die zwar nicht, wenn ich das richtig verstanden habe, jetzt die Gelder im Kern übernimmt, aber eben das Haus, den Residenzort und die, Also vorher mussten wir noch eine externe Organisatorin beschäftigen für die erste Runde die sich um die ganze Kommunikation die Abwicklung des Ausschreibungsprozesses und so weiter gekümmert hat, die auch bezahlt werden musste natürlich.

Das übernimmt jetzt alles die Stiftung übrigens eine schleswig-holsteinische Stiftung, die Arthur-Boskamp-Stiftung die übernimmt jetzt viel Arbeit. Und einige Stiftungen offenbar haben auch wie diese Stiftung eben auch Residenzorte,: die eben nicht das ganze Jahr über komplett bespielt sind, wo es eben noch Lücken gibt. Wenn Sebastian: ich noch ganz kurz zum Thema Bereitschaft. Also, noch ein anderes Licht so ein bisschen kurz erwähnen darf. Also natürlich machen und das tun, das ist sicher ganz wichtig, aber um ganz kurz mal ein Beispiel zu nennen. Dass bei sehr vielen Künstlerhäusern zum Beispiel die Bereitschaft gering ist. Im ersten Halbjahr 2022 haben zwei unserer Autorinnen über 50 Mails an Künstlerhäuser geschickt, um zu erfragen, ob es Möglichkeiten gibt, mit Kindern unterzukommen oder ob es eine Bereitschaft gibt, das Stipendium zu splitten oder wie es mit einer Kinderfreundlichkeit aussieht.

Und es haben von über 50 Künstlerhäusern tatsächlich eins geantwortet. Und es kam also nur eine Antwort zurück. Und selbst die war von einem Künstlerhaus, das eigentlich jetzt nicht dafür bekannt ist, dass es äußerst kinder: oder carefreundlich arbeitet. Also es ist schon auch, man beißt auch schon sehr oft auf Granit einfach, muss man sagen. Das ist nicht so einfach. Ja, das tut mir leid Julia, wenn ich das jetzt so ein bisschen, das ist ja, ich wollte das nicht relativieren jetzt und deinen Appell nicht relativieren, aber das finde ich einfach nur als Gegendarstellung nochmal ganz kurz wichtig, wie anstrengend und schwer das vielleicht auch ist. Ja das Julia: finde ich auch wichtig, dass du das sagst weil tatsächlich, wenn ich davon gesprochen habe, dass wir oft davor waren, das auch aufzugeben als wir die ganzen Stiftungen angeschrieben und angesprochen haben, ob die sich vorstellen könnten, da irgendwie einzusteigen und haben wir auch nur Absagen erhalten.

Ja, also genau, ich glaube trotzdem steht der Tropfen hüllt den Stein und auch unser Gespräch heute hüllt ihn natürlich und ja, man muss dranbleiben irgendwie. Aber ich finde es auch sehr: demoralisierend. Sebastian: Vielleicht auch noch ein kurzer Hinweis bei uns auf der Homepage, also bei den Other Writers Need to Concentrate. Auf der Homepage haben wir versucht, eine Einteilung von Stipendien vorzunehmen. Also wir haben uns überlegt, okay, wir haben erst eine Umfrage gemacht, was ist für euch ein wichtiges Kriterium, um mit Sorgearbeit anreisen zu können und haben dann daraus sozusagen versucht, eine Einteilung vorzunehmen. Und wer sich da informieren möchte, kann mal auf die Homepage gucken, Other Writers, und da findet man eben den Versuch einer Einteilung.

Also das Parents in Art Stipendium steht alleinig ganz an erster Stelle ganz oben mit drei Sternen Genau, aber es gibt einfach auch viele Künstlerhäuser die tatsächlich einfach... Unfreundlich dem gegenüberstehen und da keine Bereitschaft zeigen, irgendwie ihre Ideen aufzuweichen. Und wir versuchen das eben so ein bisschen: transparent zu machen und zu katalogisieren dort und sind auch immer für Hinweise dankbar. Also wenn es jemandem gelingt mit Kind ein Stipendium anzutreten oder auch das aufzuweichen, sind wir da sehr dankbar. Ich denke oft, das ist einfach ein großes Hemmnis, allein schon weil man nicht weiß, dass Künstlerhäuser einem manchmal entgegenkommen und da entgegenkommend sein können und sind und man sich dann eben gar nicht erst darauf bewirbt, so zum Beispiel. Zara: Ich habe mich auch gefragt, ob das eigentlich so eine deutsche Sache ist, dass so die Künstlerhäuser hier so sehr kinderfeindlich sind. Also ich habe nur eine einzige Residency selber mal gemacht und die war in Finnland und da war eine dänische Künstlerin, die hatte Mann und Kind dabei und eine finnische Künstlerin, die gesagt hat, dass ihre Künstlerin Mutter sie auch immer mit auf Residencies genommen hat als Kind. Und als ich denen dann erzählt habe, dass es in Deutschland ganz anders ist waren die irgendwie so ganz betroffen.

Sebastian Ich kann da wenig drüber sagen. Ich auch nicht Kennst du dich international aus: Auch nicht. Zara: Ja, wir haben natürlich eure Liste auch durchgeguckt und da, naja, eigentlich, also da waren jetzt unter den, ich glaube unter den Zwei-Sterne-Häusern oder Ein-Sterne-Häusern waren tatsächlich auch ein paar aus dem Ausland. Und da waren aber, also ich habe, weil ich ja auch in Finnland war, deswegen habe ich halt irgendwie die finnischen Residencies irgendwie immer im Blick und da habe ich auch eine gesehen, die gar nicht kinderfreundlich ist. Dara: Vielleicht werdet ihr ja Vorreitermodell. Das wäre natürlich auch cool, wenn man sagen kann, das gibt es schon, das hat sich etabliert das können wir kopieren, wiederholen. Und ich denke gerade auch noch so, weil es ja wirklich oft so ist, dass Themen, die einen selber betreffen, dass die Leute dann in dem Moment engagiert sind. Und zusätzlich auch noch Diese Arbeit leisten. Wäre es natürlich auch schön, wenn Leute, die schreiben, die keine Care-Arbeit oder nicht in dem Maße Care-Arbeit leisten müssen, das Thema auch mit auf den Tisch bringen, wenn man vor Ort ist.

Also einfach mal Fragen zu stellen, wie es denn so ist oder: vielleicht auch einfach zu zeigen, das bezieht sich jetzt auch wieder auf euren Titel Other Writers Need to Concentrate, dass es auch möglich ist, dort zu arbeiten mit einer Kinderbetreuung und vielleicht auch einfach mal in Frage zu stellen, warum nur bestimmte Leute da sind. Julia: Ich finde, das ist auch sowieso ein ganz wichtiges Thema, dass Engagement ja meistens von den Menschen kommt, die selber unter einer Benachteiligung leiden und dass diese Menschen aber jetzt im Falle der Care-Arbeitenden wirklich wenig Wirklichkeiten und Zeit eigentlich, also da beißt sich die Katze ja irgendwie in den Schwanz haben sich zu engagieren und Ich kann, das sage ich auch mal so offen, mich wahrscheinlich auch deshalb konnte ich mich engagieren, weil ich würde immer weich fallen, sodass ich eben auch Kapazitäten habe, die natürlich immer auch vom Geld abhängen Und das haben eben ganz viele nicht.

Und da kann man nicht erwarten, dass sich eine Alleinerziehende, die alleine für das Haushaltseinkommen zuständig ist, auch noch sich engagiert. Also ich finde das: immer ganz schwer zu sagen, ja, dann müsst ihr ja was machen. Also das hast du jetzt nicht gesagt, da im Gegenteil. Aber das kann man halt auch nur machen, wenn man dann noch was im Hintergrund hat, finde ich sich ernsthaft Dara: engagieren. Absolut. Also ich glaube, es geht auch eher um dieses, also genau, es gibt ja diesen Satz check your privilege. Und viele verbinden das, glaube ich mit so einer falschen Scham. Eigentlich geht es ja aber vielmehr darum, zu gucken, in welcher Rolle befinde ich mich wo? Wofür kann ich dankbar sein? Welche Möglichkeiten habe ich Und wie kann ich in diesem Handlungsrahmen agieren Und zum Thema unseres Podcasts zu gucken, wie kann ich solidarisch sein mit den Möglichkeiten, die ich habe. Und klar, einige Leute haben diese Möglichkeiten ganz gerade nicht. Aber vielleicht stellt man auch fest, ich bin vielleicht gerade nicht betroffen von einer Ausgrenzung, aber genau deswegen Kapazitäten um das jetzt zu tun.

Sebastian Darf nochmal ganz plump wirklich Werbung machen? Also man kann auch einfach auf Instagram uns: folgen Wir haben einen Instagram-Account, der sehr bunt bespielt wird, auch mit Literaturtipps bezüglich Sorgearbeit und Schreiben. Wir haben eine tolle Anthologie, im Verlag Sokultur ist die erschienen. Die heißt Other Writers Need to Concentrate, wo es um das Thema Sorgen und Schreiben geht. Genau, das ist vielleicht nur noch kurz als Werbeblock sozusagen. Dara: Den hätten wir auch noch übernommen. Aber macht das, kauft das und lest euch auch den Blog durch. Das ist super interessant. Ihr habt ja auch Werkstattgespräche, die ihr führt und habt da ja ein großes Netzwerk an Austausch

Sebastian Genau und wir sind, also auch wo wir gerade beim Thema sind, wir sind gerade in der Planung, es ist bald Jahrestreffen, ob wir eventuell einfach Beratungstermine anbieten, also Zoom-Termine für AutorInnen, die eben überlegen,: ob sie in eine Elternschaft gehen möchten oder nicht. Weil ich denke, dass es eine ganz heikle Stelle im Leben ist und eine ganz heikle Situation ist, wo man sich, dass das eben ein wichtiger Punkt ist, ob ich das überhaupt begehen soll, diesen Weg in eine Elternschaft oder eine Sorgearbeit. Oft gerät man ja auch in Sorgearbeit über andere Ereignisse, Unfälle oder Krankheit. Genau, aber wo wir überlegen ob wir einfach Beratungstermine anbieten Anbieten möchten, also öffentliche Zooms, wo wir darüber berichten, wie beides möglich sein kann oder einfach ein bisschen aufklären. Genau, das wird es wohl auch bald geben. Dara: Ja, slide uns alle auf jeden Fall mal in den Instagram-Kanal und auf den Blog.

Ja, genau, ihr organisiert euch jetzt schon sehr gut selber und habt einen guten Austausch. Wir haben gegen Ende immer noch die Frage nach: Utopien. Was wünscht ihr euch an Veränderungen im Literaturbetrieb für Schreiben unter Kehrarbeitsbedingungen? Julia: Ja, also ich würde mir wünschen, dass irgendwann alle Stipendien so gebaut sind, dass sie für Menschen, die Kehrarbeit leisten, aber auch für alle anderen marginalisierten Gruppen gut nutzbar sind. Also dass es im Grunde Diese Extra-Stipendien, wie jetzt Parents in Art, gar nicht mehr gibt. Also das gar nicht mehr geben muss. Also kann es natürlich sehr gerne weitergeben, aber dass es sie nicht mehr geben muss, dass gar nicht diese Notwendigkeit besteht, da irgendwas extra zu bauen, weil einfach das andere inkludiert.

Das würde ich mir wünschen. Und daraus würde für mich folgen dass eben auch noch in der literarischen Produktion, also in dem, was dann schlussendlich auch veröffentlicht wird, dass dann da mehr Vielfalt noch entsteht Also dass die Perspektive von Menschen, die Care-Arbeit leisten oder auch, was Sebastian ja gesagt hat,: Literatur über die eigene Vaterschaft, dass das dann noch einen größeren Raum einnehmen kann, weil eben die Möglichkeit bestanden hat, zu produzieren. Und dann ein großer Wunsch für ein verändertes gesellschaftliches Bewusstsein irgendwann, dass diese Literatur die dann vielleicht vermerkt wird Vermehrt erscheint und rezipiert wird, dass die auch als etwas wahrgenommen wird, was für alle ist. Also im Moment ist es ja so, dass ein Buch, das ein weißer Mann geschrieben hat, nehmen wir mal Paul Orster, das Buch ist für jeden da, für Frauen wie Männer, egal welcher Herkunft, sag ich mal, und ein Buch, das eine Frau geschrieben hat oder überhaupt jemand, ich will es jetzt breiter fassen, jemand über seine Überkehrarbeit geschrieben hat oder womöglich noch mit einem Nachnamen der irgendwie eine Einwanderungsgeschichte verleiht dass diese Bücher so wahrgenommen werden, als wären sie für eine sehr spezielle Zielgruppe.

00:58:00: Und da würde ich mir einfach wünschen, dass wir irgendwann so weit sind, dass sich dieses Bewusstsein geändert hat. Sebastian: Ja, ich schließe mich dir ganz an, Julia. Ich würde mir auch wünschen, dass das Parents in Art Stipendium irgendwann einfach gar nicht mehr so explizit benannt werden muss, weil... Alle StipendiengeberInnen erkennen, dass sie nach einem Ausschlussverfahren arbeiten bisher und nicht nur Menschen, sondern auch Themen ausschließen und dass das vorbei sein wird irgendwann.

Außerdem wünsche ich mir eben, dass das eigentlich gesamtbetrieblich gesehen wird, dass eine große Diskrepanz wie schon eingangs erwähnt, einfach zu dem besteht, was produziert wird, nämlich, dass wir nach vorne hin gucken oder aktuell zumindest gucken, dass wir identitätspolitische Belange abbilden dass wir Minderheiten abbilden und zeigen, dass das aber im Literaturbetrieb eben einfach keine Berücksichtigung oder sehr, sehr: wenig Berücksichtigung findet und dass diese Diskrepanz einfach eine sehr ekelhafte Sache ist. Das kann man eigentlich nicht anders sagen und eine unangenehme Sache ist. Genau. Schließlich würde ich mir als Vater tatsächlich auch noch wünschen, dass mehr männliche oder als männlich gelesene Personen, die eine Vaterschaft innehaben mehr ins Rampenlicht treten und einfach mithelfen zu zeigen, dass dieser überkommene Geniebegriff, den wir unbedingt alle loswerden möchten, auch tatsächlich passé ist. Oder was er sicher noch nicht ganz ist, aber da einfach ihren Beitrag zu leisten und zu zeigen, hey, das Autorenbild sieht anders aus heute und es gibt ein Autorenbild, das gleichzeitig auch ein Vaterbild ist.

Zara Super, vielen Dank. Dann hoffen wir einfach, dass diese Sachen genauso eintreten: Ja, danke, dass ihr da wart, Sebastian und Julia. Ja, vielen Dank an euch. Ich möchte mich auch nur bedanken für eure Arbeit. Ja, checkt Other Writers. Wir finden sie bei Instagram und auf der Website. Wir packen alles in die Shownotes. Und ja, wir hören uns hoffentlich bald wieder. Ansonsten, genau, wenn ihr die Arbeit von uns gut findet, wir haben so ein paar Fixkosten, die kann man uns ein bisschen sponsern, indem man uns zum Beispiel einen Kaffee spendiert bei Coffee.

Darüber freuen wir uns sehr. Und ansonsten genau, freuen wir uns über Likes und Abos wie alle Leute im Internet. Jo,: tschüss.

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